DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

Der GRISEBACH-Podcast mit Rebecca Casati

Transkript

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00:00:05: diesen traurigen Nachkriegs-Deutschland glam zu geben.

00:00:09: Stil und gleichzeitig aber mit durchaus gesellschaftspolitischen Themen, das fand ich immer sehr herausragend wie sie das verbunden

00:00:17: hat.

00:00:19: Herzlich Willkommen in Folge hundertdreißig von Diesoch zu sehen dem Gräsebach Podcast.

00:00:25: Alle zwei Wochen sprechen wir hiermit Menschen die etwas in der Kunst oder über sie zu sagen haben.

00:00:31: Heute zu Gast ist Kirsten Landwehr.

00:00:34: Die gebürtige Rostockerin begann als Stylistin, eröffnete dann die Galerie für moderne Fotografie in Berlin Mitte.

00:00:41: Außerdem verwaltet sie das umfangreiche Fotoarchiv von Angelika Blechschmidt.

00:00:46: Warum die so einzigartig war und was ihr Archiv heute so fasziniert macht, verrät Kirsten Landwehr uns jetzt!

00:00:56: Herzlich willkommen zu dieser auchzusehen-Libel-Kirsten-Landwehr.

00:00:59: Hallo!

00:01:00: Kirstens, schön dass du bei uns bist diese Woche.

00:01:03: Bist du so nett, dich aus dem Pfeise mal selber vorzustellen?

00:01:07: Sehr gerne.

00:01:07: Was du magst für die Einladung!

00:01:09: Sehr

00:01:09: gerne!

00:01:11: Genau ich bin in Kerstin Landwehr.

00:01:13: Ich bin in Rostock geboren würde sagen habe schon sehr viel erlebt und sehr viele Berufe gehabt oder Berufungen oder Hobbys im Beruf gemacht was sicherlich vielleicht auch eben mit der Herkunft aus der ehemaligen DDR zu tun hat.

00:01:29: um einfach soviel wie möglich aufzusaugen.

00:01:33: Und es hat damit begonnen, dass ich als Stellistin gearbeitet habe nach einer Ausbildung zur Erhandelsassistentin.

00:01:42: Den Beruf wollte ich natürlich möglichst entfliehen.

00:01:45: jetzt bin ich sozusagen in der Hospitality gelandet zusammen mit meinem Mann was aber auch wiederum wenn man uns kennt die sehr gerne und sehr viel mit Kunst- und KünstlerInnen zu tun haben, damit verbunden ist.

00:02:01: Und wir haben Hotels oder ein Hotel ...

00:02:05: Kannst du ruhig nennen?

00:02:06: Das ist das

00:02:07: Chateau Royale.

00:02:08: Das ist der Ableger vom Grillroyal oder

00:02:12: die Erweiterung.

00:02:13: Genau, die Hotelvariante genau.

00:02:15: Ansonsten Grillroyale in Berlin und Hamburg und das Petirroyale.

00:02:21: Du verwaltest ein Archiv, über das wir heute sprechen wollen.

00:02:26: Das ist das Archiv von Angelika Blechschmidt.

00:02:29: Erinnerst du uns kurz auch noch einmal daran wer sie war?

00:02:32: Denn sie lebt nicht mehr!

00:02:34: Genau, Angelika Bleichschmidt war vor allen Dingen bekannt dafür die Chefredakteurin der Deutschen Wucht zu sein.

00:02:41: Sie ist so Vogue allerdings als Kreativdirektorin oder Artdirektoren gekommen und ist dann Ende der Achtziger eben Chefredakteurin geworden.

00:02:52: Und hat die deutsche Vogue sehr geprägt, die war ja sage ich mal in der Hierarchie der Vogue-Magazine eher weit unten also hinter der amerikanischen, der französischen, italienischen.

00:03:03: das sind glaube ich so die großen Stars muss man ja fast sagen gewesen.

00:03:08: Und sie hat es wirklich geschafft, glaube ich der deutschen Vogue ein Bild und eine Stimme zu geben.

00:03:13: Würde ich sagen?

00:03:14: Ja!

00:03:16: Bevor wir näher darauf eingehen was dieses Archiv eigentlich beinhaltet wie es zustande gekommen ist und was genau du da machst vielleicht noch ein bisschen so Angelika Blech mit selber Wie Du ist sie im Osten geboren nämlich in Dresden.

00:03:30: Genau

00:03:30: Ist dann vor dem Mauerbau mit ihren Eltern nach Hamburg gekommen und war dort zunächst Grafikerin.

00:03:38: Zur Wog ist sie dann auf Empfehlung von Wolfgang Joop gekommen.

00:03:42: Zuerst als Artdirektorin und dann als Chefredakteurin.

00:03:47: Was Lustige, ich weiß gar nicht ob das jeder weiß... Die Wog hat es schon einmal ganz kurz gegeben in Deutschland.

00:03:53: Das war von neunzehntundzwanzig bis neunzentneunzehnzig.

00:03:56: Dann kam die große Weltwirtschaftskrise.

00:03:59: Und das Magazin wurde zugemacht so.

00:04:01: Es wurde dann eben neu gelauncht.

00:04:02: Neunzehtneunzig, eben genau in dem Jahr, als Angelika Blech mit

00:04:06: dorthin

00:04:06: kamen.

00:04:07: Erst einmal, weil es so schön und so einträgsam ist.

00:04:11: Was war typisch für Angelika Blech mit?

00:04:14: Wie hast du sie vor deinem inneren Auge?

00:04:17: Einerseits als sehr schüchternd, zurückhaltend.

00:04:21: Und andererseits auch als eine Personality ... Man sagt immer so groren Damen, das hört sich komisch an, weil sie natürlich auch mit diesem großen Schmuck und der grauen Tolle und den getönten Brillen ... Aber sie war vor allen Dingen eine sehr verspielte Person.

00:04:36: Ich habe sie als sehr jung wahrgenommen, sehr offen, obwohl sie wie gesagt auch durch ihre zurückhaltende Art manchmal vielleicht auf andere sehr verschlossen erschienen ist.

00:04:48: aber wenn man auf die Zugang ist und wenn sie es interessiert hat dann... konnte man einfach Freunde fürs Leben werden, würde ich sagen.

00:04:55: Und so ist ja auch passiert ... Ich weiß halt, als ich sie kennengelernt habe es hab' ich gerade noch mal nachgeschaut, weil das war eben zu der Ausstellung von Elfys Sammutan die er leider letzte Woche verstorben ist und die Fotografen genau eine ganz tolle Frau Rollemodel und eben große Unterstützerin anderer Frauen.

00:05:13: auch Da kam eben Angelika in meine Gallery für moderne Fotografie damals, um sich diese Ausstellung anzuschauen.

00:05:24: Und ich wusste natürlich wer sie war!

00:05:26: Sie war sehr enttäuscht dass die Ausstellung klein war.

00:05:28: das heißt noch wie heute Das war auch der ongoing Scherz bei uns beiden, dass die Galerie zu klein ist.

00:05:35: Genau und sie... mit ihr dann ins Gespräch zu kommen.

00:05:39: Ich glaube, wir haben bestimmt zwei Stunden gesprochen und das war letztendlich der Anfang unserer Freundschaft.

00:05:45: Also sie war wirklich sehr interessiert bis zum Schluss würde ich sagen auch.

00:05:49: Das mochte ich immer sehr gern und ungewöhnlicher Charakter auf jeden Fall.

00:05:54: Ja also Sie wird beschrieben als unheimlich neugierig.

00:06:00: Laut Wolfgang Jupp hatte sie sich, als sie zur Wok kamen entschlossen nur noch eine Farbe zu tragen.

00:06:05: Nämlich natürlich schwarz und in seiner Erinnerung ernährte sie sich ausschließlich von Champagner- und Zigaretten.

00:06:12: Gibt eine lustige Anekdote wie er sie in Potsdam auf dem Wochenmarkt am neuen Natur trifft und erinnerte sich dass sie einen Schwarzen Nerzmantel anhatte und nackte Füße im schwarzen Badelaatchen sogar die badelaatschen Schwarz und mitten im kältesten Winter.

00:06:29: Sie hat eigentlich bei jedem Wetter schwarze Cocktailkleider getragen.

00:06:34: Du hast es schon erwähnt, sie hatte so schwarzen hochtopierte Haare mit weißen Stränen darin immer ganz schwere Ringe.

00:06:42: Hast du auch schon erzählt?

00:06:43: So Cocktail-Ringe.

00:06:45: Sie hat nie Hosen getragen und nie Strümpfe!

00:06:48: Und ihr Motto war ich lasse mich vom Wetter nicht tyrannisieren.

00:06:51: Das fand ich immer... zu tiefstilligan.

00:06:54: Keine Stromfosen.

00:06:55: und ich muss dich korrigieren, ich habe im Archiv tatsächlich genau bisher zwei Fotos gefunden.

00:07:00: es muss irgendwie in Paris auf einer Couch eines Grand Hotel sein.

00:07:03: da hat sie Huesen an.

00:07:05: Aber das sind wirklich die beiden einzigen Fotos.

00:07:07: die haben mich auch wirklich zur Seite gelegt weil das wirklich wie du sagst etwas sehr außergewöhnliches war für sie.

00:07:13: Sie hat auf jeden Fall eine Art von Glamour und Flamboyans verkörpert, die man von der deutschen Frau nicht so unbedingt erwartet.

00:07:21: Worin war sie ihre Mission, was würdest du sagen?

00:07:25: Ich glaube ... Was kann ich erzählen.

00:07:28: Es war eine andere Generation.

00:07:29: Ich bin in der DDR mit der Sibille aufgewachsen.

00:07:33: Aber so von meinem Blick aus würde ich sagen, dass Sie überhaupt diesen traurigen Nachkriegsdeutschland vielleicht, das ist ja immer auch noch neunundsiebzig irgendwie war, Glamm zu geben.

00:07:47: Also wirklich Glammer und ... Stil.

00:07:51: Ich glaube, das hatte damit zu tun und gleichzeitig aber immer auch mit unglaublichen durchaus gesellschaftspolitischen Themen.

00:07:59: Das fand ich immer sehr herausragend wie sie das verbunden hat und dass sie für viele Themen eine der ersten war innerhalb von Deutschland darüber zu sprechen also so wie Schönheitsoperation.

00:08:10: oder ich erinnere als sich mit meiner Kollegen Alexa Bondi de Antonii im Archiv bei der WUG dass wir eben auch Artikel oder erste Artikel über die Kreativzähne in Ostberlin, in den Neunzigern gefunden haben.

00:08:23: Also sie hat da schon Themen aufgemacht ich glaube gar nicht selbst aber sie hat die gefunden durch die Leute, die sich auch angestellt hat.

00:08:32: Sie hatte ja ganz früh mit ganz ungewöhnlichen Leuten, die vielleicht jetzt nicht unbedingt bei einer Vogue arbeiten gearbeitet und die haben glaub ich immer diese sehr diversen Themen gefunden und angebracht.

00:08:47: Und sie war offen dafür?

00:08:48: Ja, und ihrer Zeit voraus wahrscheinlich.

00:08:52: Sie hat oft die in Anführungszeichen Vogue-Frau thematisiert, die sie dann zu Selbstbewusstsein und was immer das heißt Wandelbarkeit aufgefordert hat.

00:09:04: Was würdest du sagen gibt es heute noch so etwas wie die Vogue

00:09:08: Frau

00:09:08: oder was kann man da eigentlich drunter verstehen?

00:09:11: ich bin Ich bin ganz froh, dass es die Vogue-Frau nicht mehr gibt.

00:09:16: Ich finde das toll, dass viel diverser geworden ist und wir darüber sprechen können, wie der Stil diverser ist.

00:09:24: Dass wir darüber reden können, dass eine queere Frau oder eine Frau, die ihre Sexualität total auslebt und gleichzeitig Feministin für mich auch en vogue ist auf eine Art ... Insofern bin ich froh eine Typfrau, wie sie vielleicht so ein bisschen in der Vogue damals auch unter Angelika vielleicht angestript war und nicht mehr gibt.

00:09:51: Also dass das wirklich viel fältiger geworden ist und offener geworden ist.

00:09:56: Und vielleicht dadurch auch spannender?

00:10:00: Dann kommen wir jetzt noch mal, wie eingangs schon erwähnt zu ihrem Archiv!

00:10:06: Neben ihrer redaktionellen Arbeit war nämlich Angelika Blechschmidt eine leidenschaftliche Fotografin und mit ihrer kleinen Olympus-Kleinbildkamera hat sie unermüdlich ihren Berufsalltag dokumentiert.

00:10:19: Sie hatte in dem Magazin eine Foto-Kolumne, die nannte sich Flash.

00:10:23: Was

00:10:24: oder wen sieht man auf diesen Fotos?

00:10:28: Ich würde sagen letztendlich alle man damals mit der sogenannten Modewelt in Verbindung gebracht hat.

00:10:37: Also nicht nur die, die vor der Kamera standen sondern auch hinter der Kamera beziehungsweise die mit den Produktionen in Verbindung gebracht wurden sei es in der Kollektion aber auch der Fotostrecken.

00:10:52: die waren ja damals aufwendiger.

00:10:54: also da gab's ja so Sachen und sowas was ich sie sind er nach weiß ich nicht, wie für Wochen nach Japan oder irgendwie.

00:11:01: Ja, also das ist ja heutzutage gar nicht mehr vorstellbar.

00:11:05: und was man aber auch sagen muss dass die Fotos nicht nur alle... Also diese Kolumne ist tatsächlich eher dann ein Beiprodukt gewesen.

00:11:14: Die ursprüngliche also ihre ursprungliche Anlass warum sie diese Fotos sozusagen gemacht hat ist damit sie Content für ihr Magazin hat weil sie waren.

00:11:24: früher war es natürlich so dass die Photos noch als Abzüge herumgeschickt wurden, also von Kleid die Ohr und die Kollektion.

00:11:34: Das hat aber dann erst die amerikanische Wog bekommen oder wenn sie es überhaupt bekommen hat weil die amerikansche Wog dieses Kleid exklusiv haben wollte.

00:11:42: das heißt sie stand immer da und dachte okay ich bekomme die Sachen die ich aber nicht zeigen möchte.

00:11:48: deswegen hat sie angefangen auch den ganzen Laufsteg Fotos zu machen und eben auch Backstage, wenn Models diese Kleider teilweise anhatten das Make-up zu fotografieren um wirklich auch groß also so ganz seitige Formate zu haben um diese Sachen zu zeigen.

00:12:06: Sie wollte schnell Content haben.

00:12:09: sie war bei einer Show Er hat fotografiert, hat es über Nacht entwickeln lassen.

00:12:14: Hat die Auswahl gemacht und das dann an die Redaktion geschickt.

00:12:17: Das ging ja alles ganz schnell.

00:12:19: Da war wirklich noch Bildchen rumgeschoben, da war nichts digital.

00:12:23: Und weil das Kleid, was sie backstage oder auch auf der Bühne fotografiert hat schon ansonsten ausgeliehen von einer Redaktionsredaktion, die ist angeblich also die wichtiger war?

00:12:33: Genau so!

00:12:35: Und so hatte sie die Chance wirklich auch das zu zeigen, was ihr Gefühl von den Schauen.

00:12:40: Und ich glaube, weil sie merkte, oh wow das hat ja noch mehr Potenzial.

00:12:44: Diese ganzen Leute die ich vor die Kamera bekomme von Liza Minnelli über Johnny Versace bis Chris McMannamy sag' ich jetzt mal... Die

00:12:51: sich alle backstage...

00:12:53: Ja, die sich da so rumtrieben oder sie kam hier auch auf Partys also gerade Versace war sie, den war sie sehr eng in den Privathäusern und durfte... da auch fotografieren, das ist ja heute teilweise unvorstellbar.

00:13:04: Ja

00:13:05: sowieso sind wir was das angeht so ein bisschen abgestumpft oder verwöhnt kann man auch sagen weil wir natürlich solche blicke dauernd auf social media sehen weil die leute sie ja mittlerweile selber herstellen sich selber fotografiert in solchen scenarien.

00:13:16: aber damals waren das ganz exklusive absolut abgeschlossene einblick.

00:13:23: ja

00:13:23: deswegen sind diese dieses archiv eben auch so unglaublich spannend weil du weil es einerseits Sie Fotos machen konnte, an Orten in Momenten die sehr privat waren vielleicht auch.

00:13:37: Und die Abgebildeten ja auch einen Vertrauen hatten und dadurch vielleicht einfach auch Imposen oder Angesogen ausgezogen was auch immer Situation keine Scheu hatten sich so abbilden zu lassen.

00:13:53: Wie gesagt, das ist ja ein komplett anderer Moment als heutzutage.

00:13:56: Gerade backstage wenn sich jemand umzieht oder wir wahrscheinlich auch heute im Sinne von Walkness gar nicht mehr

00:14:02: werden?

00:14:02: Ganz genau!

00:14:03: Das ist tatsächlich so spannend an diesem Archiv was ich eben auch schon eingangs meinte Meine Kollegin Alexa Bondi de Antoni, mit der ich an dem Archiv arbeite sehr interessiert.

00:14:17: Weil sie diesen akademischen Kontext davon so ein bisschen mehr beäugt und analysiert.

00:14:24: Und das ist natürlich im Vergleich zu heute ein unglaublich spannendes Thema.

00:14:29: Diese Sammlung umfasst etwa... Ist das richtig?

00:14:32: Hundertachtzigtausend Fotografien die Angelika Blech mit chronologisch und in Boxen archiviert hat.

00:14:39: Was würdest du sagen, war fotografisch ihr Stil?

00:14:42: Also von ihrer eigenen Fotografie.

00:14:45: Gibt es da eine bestimmte Stilrichtung?

00:14:49: Ich glaube für sie das damals jetzt nicht das Thema war.

00:14:53: Dass sie gesagt hat, dass ist ein Stil.

00:14:56: Es ging erst mal darum pragmatisch ich brauche Fotos und Inhalt für mein Magazin.

00:15:02: Das muss gut aussehen.

00:15:04: aber irgendwie war das ja auch vorgegeben durch ... das Medium, diese kleine Kamera.

00:15:10: Das ist eine Kamera die später eben wie du auch schon mal erwähntest, Jungtella oder Corin Day letztendlich dann als Stilmittel in den Neunzigern wirklich erhoben haben und benutzt haben.

00:15:23: Genau dieses Snapshot Fotografie aus der Hand Anschnitte schräg Licht nicht unbedingt immer hundert Prozent ja alles was diesen Snapshots und diese spontane Fotografien im Prinzip ausmacht.

00:15:38: Und das Lustige allerdings daran war, dass sie später halt unbedingt vorhatte diese Sachen so ganz groß ausstellen zu wollen.

00:15:46: Weil ich hatte ja immer daran auch gearbeitet, dass wir vielleicht einfach mal in meiner kleinen Galerie eine Ausstellung machen.

00:15:52: Also er war ihr die wie gesagt zu klein, es war ja nur so einen Raum und sie wollte immer ihre Fotos eigentlich ganz groß sehen okay?

00:16:00: Wie kam es eigentlich dazu, dass du dieses Archiv verwaltest?

00:16:05: Ihre Nichte, Katharina Gimm hat mich kontaktiert.

00:16:10: Sie wusste, wir sind befreundet und ich habe diesen Kontext mit Fotografie.

00:16:14: Und die hatten halt einfach tatsächlich wahrscheinlich auch überfordert mit diesem Kisten.

00:16:18: Das ist ja wirklich ein halber Raum voll Leopardenkisten.

00:16:23: also auch da bewies sie lieb sie ihrem Stil treu.

00:16:27: Die haben mich angerufen, zusammen mit Dramaklausen und haben gesagt, hey würdest du das ... Deutscher

00:16:32: Modedesigner.

00:16:32: Der hat mit ihr befreundet?

00:16:34: Ganz eng befreündet, genau!

00:16:36: Zum Glück haben die beiden mich angerufen und haben dann gesagt, Hey, willst du es machen?

00:16:39: Weil wir wissen nicht unbedingt was wir mit diesem Ausmaß an Negativen und Abzügen tun sollen.

00:16:47: Ach so ein Negatives.

00:16:48: Das sind Negative und diese neun mal dreizehn also wirklich wie über Nacht schnell... bei DM sozusagen, wie du jetzt heutzutage entwickeln lassen würdest.

00:16:57: Genau und da bin ich so schnell hin mit dem Transporter und hab die abgeholt und erst mal in unserer Kunstlager irgendwie gestellt und dann auch erstmal durchgeatmet und stehen gelassen.

00:17:08: Dann kam die Pandemie.

00:17:10: Wir hatten ja alle sehr viel Zeit und da war ich dann angefangen einmal erste Einblicke und war so überwältigt und dachte okay um das Gefühl zu bekommen und zu testen... Was lag nah an Instagram-Account aufzumachen.

00:17:25: Da schossen die Follower in die Zahlen, in die Höhe und nicht dass ich selber schon wusste was das für ein Schatz ist aber das war natürlich noch mal eine Bestätigung und es hat auch so ne Community aufgebaut weil du weißt da sind vor allen Dingen Personen drauf Die könnten natürlich auch sagen hey don't do this wegen der Rechte Aber alle waren so wow Wie toll, um an diese Zeiten erinnern zu werden.

00:17:50: Also alle reden immer auch davon, dass es so eine andere Zeit war in dieser Szene auch?

00:17:55: Genau und dann hatte ich schon so kleinere, das waren Gruppenausstellungen geanfragen einmal mit Claudia Schiffer von Düsseldorf und einem an Hamburg.

00:18:05: Und dann hat mich zum Glück Alexandra kontaktiert und gemeint Das ist ja unglaublich!

00:18:12: Ich würde dich gerne mal dazu sprechen.

00:18:14: Und so kam der ganze Kontakt noch mal mehr in diesen akademischen Bereich.

00:18:20: Wir sind bei der Universität in Dortmund, die forschen zu Fotografie und Dingen aus Mode und Alltag... Ich hoffe ich sage das jetzt nicht falsch!

00:18:31: Und aus

00:18:32: dieser Zeit?

00:18:33: Also

00:18:34: alles Mögliche, also alle Jahrhunderte eigentlich.

00:18:37: Die haben im Prinzip angefangen mal so richtig an wie man ein Archiv aufarbeitet mit Studentinnen und haben auch so kleinere Aufstellungen dazu gemacht und Forschungsprojekte gemacht.

00:18:51: Jetzt war der nächste Schritt dass wir zusammen mit Willer Griesebach kommen sind mit Deandra Dorneka und Anna Valestrem Augstein Und gesagt haben, lass uns eine Ausstellung machen.

00:19:03: Das wird natürlich keine Ausstellung zu ihrer Person sein und da arbeiten wir auf die große Museumsausstellung hin.

00:19:11: aber das ist mal ein schöner Einblick in diese wirklich sehr frische und lebendige Fotografie der neunziger und zweitausender Jahre.

00:19:21: Ist es eigentlich Farbe

00:19:22: oder Spaß?

00:19:22: Es

00:19:22: ist Farbe.

00:19:24: Da haben wir jetzt tatsächlich auch welche ein bisschen größer gemacht aus dem Archiv mit einem Archivstempel, aber wir werden eben ganz viele Originalabzüge also von diesen kleinen neun mal dreizehn Abzügen zeigen.

00:19:36: So ein schönes Zitat kommt von Jill Sander über Angelica Blechmitt.

00:19:40: Sie dachte mit den Augen hat sie nämlich gesagt Und du hast sie mal beschrieben an anderer Stelle als die erste Influencerin der Modewelt, die mit diesen spontanen Schnapschüssen, Snapshots vieles vorweggenommen hat.

00:19:55: Was heute in Social Media selbstverständlich ist nicht umsonst ... Hast Du das ja auch schon Content genannt?

00:20:02: Das Wort hätte Sie jetzt damit wahrscheinlich gar nicht verbunden.

00:20:05: Heißt ja einfach Inhalt aber durchs Social-Media ist es eben ... Bedeutet es so viel mehr das, womit man die Social Media eben füttert ist.

00:20:14: Das ist eine steile These sicherlich von mir.

00:20:17: aber so kam's mir vor weil ich einfach so das Gefühl hatte naja sie hat das ja wirklich... Sie brauchte Inhalt und damit wollte sie auflagensteigern und mehr verkaufen und das sind ja eigentlich ähnliche Argumente wie bei den.

00:20:33: Und sie hat ja die Auflage wahnsinnig

00:20:35: gesteigert.

00:20:36: Sie hat sie eigentlich überhaupt erst sichtbar gemacht und auch ernst, wie sagt man?

00:20:41: Ernst zu nehmen gemacht.

00:20:43: Ja, so dass also sage ich mal der Verlag in New York, also der Mutterverlag überhaupt erstmal dem klar wurde okay da ist was, sie wurde ja dann noch eingeladen und wurde dann doch mehr ein bisschen so konnenastmäßig gedrillt.

00:20:57: irgendwie hatte sie mir immer so paar Geschichten erzählt Aber die haben sie wohl sehr ernst genommen aufgrund ihrer Arbeit.

00:21:10: Ich glaube, es ist in einem Nachruf.

00:21:12: auf Angelika Blechschmidt, den Wolfgang Jupp verfasst hat.

00:21:16: Gibt es ein schönes Zitat?

00:21:17: Er sagt nämlich Luxus ist nicht demokratisch er ist etwas für ganz bestimmte Leute.

00:21:23: der Umgang mit Luxus braucht auch Erziehung und Angelika war ein Beispiel von allerbester Erziehungen.

00:21:28: sie waren Soldaten.

00:21:30: Welches Bild von Luxus wird uns denn mittlerweile also heute in den sozialen Medien vermittelt?

00:21:35: Also welchen Stellenwert nimmt ihr einen im Vergleich zu damals gerade wenn du auf die Bilder in dem Archiv?

00:21:42: Sie ist von Angelika.

00:21:45: Genau wie bei dem nicht nur einen Frauenbild, also dem Vogue-Frauenbild würde ich sagen, dass es eben einfach mehrere Formen von Luxus vielleicht jetzt heutzutage auch gibt beziehungsweise das eben das Wort Luxus ... Vielleicht auch manchmal... Ja, es ist so schnell geworden.

00:22:05: Stimmt!

00:22:06: Also man hat eher das Gefühl Dadurch gibt's wahrscheinlich auch schon wieder diese Anti-Bewegung von Slow Luxury.

00:22:12: Aber dieses Gefühl, dass es eben nicht mehr diese Exklusivität hat und dieses wo kann ich das bekommen?

00:22:22: Wer kann mir das besorgen?

00:22:24: Welcher Laden hat das?

00:22:25: Das gibt es ja in dem Sinne nicht mehr.

00:22:27: außer Chanel hat es jetzt ja natürlich nochmal wieder so eingeführt aber dann zu Preisen die natürlich noch mal wieder völlig absurd sind.

00:22:33: Aber das ist ein anderes Thema.

00:22:35: Ich glaube halt

00:22:36: Möchtest du sagen, was Chanel eingefüttert?

00:22:38: Ja, die haben doch ... Die Kollektion auf dem Laufstück war, wurde gleich in die Läden gebracht.

00:22:45: In einer bestimmten Menge und die Leute standen an.

00:22:47: Es gab eine gewisse Auswahl von den Kleidungsstücken der ... Was muss

00:22:54: man sagen, ganz ungewöhnlich ist.

00:22:55: Eigentlich werden die dort präsentiert und dann kommen die Leute und Ordern also die Kunden und dann erst wird produziert.

00:23:03: Und das war so eine ganze neue Form des Marketing.

00:23:08: Das hatte so eine Exklusivität auch weil man der erste oder die Erste sein wollte vielleicht auch.

00:23:15: Es war ja wie so eine exklusive Party, da auch eingeladen zu werden vielleicht.

00:23:18: Ich weiß gar nicht ob sich jeder anstellen konnte.

00:23:20: Keine Ahnung also ich war nicht da.

00:23:23: Leider

00:23:24: wie auch immer auf jeden Fall.

00:23:25: Wie gesagt das mit dem Luxus ist glaube ich... Das ist auch ein viel geforsches Thema gerade.

00:23:32: Nicht nur im Bereich Mode bei uns in der Hospitality was es jetzt eigentlich Luxus definiert.

00:23:37: Was wird erwartet?

00:23:39: Nicht nur was wird erwartet sondern vielleicht wir gehen natürlich von uns selber aus weil wir denken Man möchte ja auch nicht aller Welt Luxus, weil das würde ja gegensätzlich sein.

00:23:51: Also dass man sich fragt was will ich wirklich?

00:23:56: Worum geht es?

00:23:58: Schwieriges Thema also da könnte ein gesellschaftliches Hof ran gehen oder?

00:24:03: Ja bzw

00:24:03: wie du eingangs gesagt hast ist es wechselt so schnell aber

00:24:07: das ist eigentlich kein Luxus.

00:24:09: Du meinst Dann ist es kein Luxus, wenn das ganz schnell wieder abgelöst werden kann?

00:24:14: Ja ich finde immer so für mich ist Luxus tatsächlich etwas was bleibt.

00:24:17: Ja interessant

00:24:18: aber da bin ich vielleicht auch schon... Alte noch... Nein analoge Generation!

00:24:26: Vielleicht abschließend Kirsten weil sie Angelika Blechschmidt bald Ja, schon acht Jahre verstorben ist sie.

00:24:35: Sie ist nämlich gestorben am neunundzwanzigsten Juni zwei Tausend Achtzehn.

00:24:39: Wenn du jetzt abschließend überlegst welcher Satz oder welche Situation ist die am stärksten Erinnerung?

00:24:45: Die erste Assoziation!

00:24:47: Ich mochte uns beide zusammen einfach so gerne weil wir gestritten hatten haben und eigentlich wirklich immer unterschiedlicher Meinung waren das total aussprechen konnten und trotzdem total befreundet waren.

00:25:00: ich finde dass es etwas was dass es häufig dieser Tage nicht mehr so gibt, kontrovers Streiten zu können und dann zusammen ein Trinken zu gehen.

00:25:09: Ja sozusagen.

00:25:12: Also angefangen was ich vorhin meinte mit diesem... Ich werde nie in einer Galerie hochstellen die ist zu klein.

00:25:20: trotzdem zusammen ins Restaurant zu gehen und weiter übers Leben zu reden.

00:25:24: Also, dass man sich diese Sachen nicht böse genommen hatte.

00:25:28: Das habe ich sehr geschätzt.

00:25:29: Und wie gesagt, ich fand es immer toddelegant irgendwie mit ihren Nacktenbeinen.

00:25:33: Ja!

00:25:34: Und ihrem C im Namen Angelika wird nämlich mit C geschrieben und Nichtmücker

00:25:39: oder wenn wir mit ihrem Mercedes sie rauchend im Mercedes durch Berlin gekrußt sind war auch toll.

00:25:48: Jetzt trägst du das Weiterwesen unheimlich gespannt auf die Ausstellung.

00:25:53: Kirsten, jetzt kommst auch du nicht drum herum, die beiden letzten Fragen zu beantworten, die hier jeder beantwortet?

00:26:01: Von der die erste lautet, welches ist dein Lieblingsmuseum?

00:26:05: Das kann ich so nicht beantwortend wie wahrscheinlich hier nicht.

00:26:07: und trotzdem möchte ich eins nennen weil es vielleicht mein erstes Museum war, weil ich da als Kind war und weil es nicht nur als Museum für mich wichtig war Sondern auch von der Architektur ganz interessant, weil das war der einzige Neubau ... Museumsneubau der DDR und zwar die Kunstteil in Rostock.

00:26:27: Die nach wie vor sehr engagiert Ausstellungen machen.

00:26:32: Deswegen würde ich das wählen!

00:26:33: Okay

00:26:33: schön hat glaube ich noch keiner gesagt.

00:26:36: So und zu guter Letzt alle letzte Frage Kirsten Wenn ich dir einen Kunstwerk schenken würde?

00:26:42: Du könntest dir jedes aussuchen was du haben möchtest.

00:26:44: Welches möchtes du denn haben?

00:26:46: Ich würde gerne ein Kunstwerk von Almut Heiser.

00:26:51: Ich liebe diese Malerin und ich würde gern ein großes Bild haben, von ihr.

00:26:56: Egal welches?

00:26:57: Also es gibt eins was mir im Kopf ist wo so drei oder vier Frauen an der Bar sitzen die sich irgendwie auch so umgucken.

00:27:07: Ich glaube das spiegelt sich irgendwie Ehrlich.

00:27:11: gesagt, ich bin nicht so vielerisch.

00:27:14: Ich finde sie einfach großartig und liebe viele Bilder von ihr.

00:27:17: Die haben ja auch eins bei uns im Hotel hängen.

00:27:19: Man hat es uns aber leider eben nicht gehört.

00:27:23: Liebe Christen das habt großen Spaß gemacht mit dir über Angelika Blasch mit zu reden und all die Dinge wieder aufleben zu lassen, die sie ausgemacht hat.

00:27:31: Ich danke dir für das schöne Gespräch!

00:27:32: Vielen Dank an dich.

00:27:36: Das war Folgehundertvierunddreißig von Diesoch zu sehen.

00:27:40: Wir bedanken uns fürs Zuhören, freuen uns schon wieder auf unsere nächsten Gäste und natürlich auf Sie.

00:27:45: In zwei Wochen neu auf griesebach.com und überall wo es Podcasts gibt!

Über diesen Podcast

Grisebach fühlt sich neben dem klassischen Kunsthandel mit Bildern stets auch dem Auftrag verpflichtet, Kultur zu vermitteln und Diskurse zu fördern. Es dreht sich hier nicht ausschließlich um die Kunst an sich, sondern immer auch um die Geschichten dahinter.

Und genau damit befasst sich der neue Grisebach Podcast.

Wir sprechen mit berühmten Malerinnen, Musikern und Autorinnen - und allen anderen, die etwas in oder über die Kunst zu sagen haben.

Es wird um die Bilder gehen, die unsere Leben prägen. Die uns inspirieren oder verfolgen. Die uns glücklich machen können oder andächtig. Solche, die im Museum hängen. Solche, die vor unserem geistigen Auge entstanden sind. Erinnerungen, Gemälde, Skizzen, Schnappschüsse, Plattencover, Gifs,– Hauptsache, sie haben uns anders auf die Welt sehen lassen.

Credits
Redaktion und Moderation: Rebecca Casati
Schnitt: Juliane Fritz
Titelmelodie: Dagobert
Cover: Selina Pavel

von und mit Rebecca Casati

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