DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

Der GRISEBACH-Podcast mit Rebecca Casati

Transkript

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00:00:04: Der hat auch mal gesagt, wenn er überfordert ist dann fängt der erst einmal an nochmal anders zu denken.

00:00:11: Also ich glaube durchaus dass ja auch eine Überforderung ein Stück weit gesucht und natürlich auch veranlasst hat in der Arbeit.

00:00:22: Herzlich willkommen Folge hundertdreißig von die Sucht zu sehen dem Grisebach Podcast.

00:00:27: Alle zwei Wochen sprechen wir hier mit

00:00:28: Menschen,

00:00:29: die etwas in der Kunst oder über sie zu sagen haben.

00:00:32: Heute zu Gast ist Eino Labyrinth.

00:00:35: Eino ist Kostüm-Bildnerin und die Frau des Jahrzehnten verstorbenen Künstlers Christoph Schlingensief.

00:00:41: Gerade hat im Gropiusbau in Berlin eine große Ausstellung eröffnet, die sich mit seinem Werk

00:00:46: befasst –

00:00:47: und Eino, die mit den Kuratoren zusammengearbeitet hat, erzählt uns gleich was uns im Gopiusbau erwartet wie sie ihre Rolle als Erdbeeren und Nachlast bewaltert von Christoph Stingensief definiert und inwiefern der Zweifel eine wichtige Rolle bei ihrem Mann spielte!

00:01:02: Herzlich willkommen bei die Sucht zu sehen, liebe Einu Lavorins.

00:01:07: Hallo!

00:01:10: Schön dass du da bist.

00:01:11: Gerade hat eine Großausstellung ein Gropius-Bauer öffnet.

00:01:15: sie zeigt die Arbeit in deines Mannes Christoph Schlingensief.

00:01:18: Willst Du einmal sagen wer die Ausstellung kuratiert hat?

00:01:22: Die Ausstellung hat Raphael Gigax kuratirt Und das ist auch eine Zusammenarbeit mit dem Markt in Wien.

00:01:30: Also die Ausstellung war zwar nicht in der exakt gleichen Form, aber vorher im Markt zusammen mit den Wienern festwochen und es jetzt hier an den Gropiusbogel kommen.

00:01:41: Genau also es gibt zwei drei Unterschiede in den Arbeiten.

00:01:45: Es gibt aber auch so gut wie ja.

00:01:48: Also viele Überschneidungen.

00:01:50: Das Ganze ist natürlich in Zusammenarbeit mit dir entstanden, der Titel lautet es ist nicht mehr mein Problem macht eure Scheiße alleine.

00:01:59: Wie ist dieser Titel entstanden?

00:02:01: also wie seid ihr darauf gekommen und wie versteht ihnen das Publikum bisher?

00:02:06: Der Titel ist wirklich auch eine Arbeit die auch in der Ausstellung zu sehen ist und ist geschrieben auf einem Flip-Chart.

00:02:14: Christoph hat auch ganz gerne auf Flipcharts gearbeitet oder geschrieben erklärt, was auch immer er getan hat.

00:02:22: Und dieser Spruchausruf ist entstanden in den Animatografen.

00:02:36: zu entwickeln, das ist eine begehbare Bühne oder installative Bühnen für den Zuschauer.

00:02:43: Da sind Projektionen drauf, du wirst als Zuschauerschnitt Menge, es gab Performances und weil diese Ausstellung eröffnet hat auch Christoph dort eine Performance gemacht.

00:02:55: aber irgendwann sind wir dann natürlich wieder abgereist und die Ausstellung ist weitergegangen.

00:03:00: und dann hat Christoph eben diesen Satz auf das Flip-Chat geschrieben Und ja, hat sich eben quasi von der Aktion auf der Bühne selber zurückgezogen und dem Zuschauer ein Stück weit auch eine eigene Perspektive oder das eigene Betrachten unabhängig von seiner Aktion übergeben.

00:03:21: Und das wolltet ihr jetzt mit dem Titel vor allem zitieren?

00:03:25: Oder wolltet Ihr darüber hinaus noch eine Aussage zur Gegenwart treffen?

00:03:31: Also ein Titel zu finden ist nicht einfach und es ging jetzt aber sicherlich nicht darum, dass man diesen Titel nur eins-zu-eins auf dieses Flipchart oder diese Aussage in dem Moment zu beziehen sondern natürlich auch größer zu denken oder offener zu denken.

00:03:45: Passt nämlich so gut!

00:03:48: Ja passt auch gut und ich glaube das ist eben auch so.

00:03:52: das Ding oder einen Trick, dass oder versuchten Raum zu öffnen, als jetzt den Raum zu verengen.

00:03:59: Hoffentlich ist man erst mal interessiert und guckt was das ist.

00:04:02: Und ich finde auch ehrlich gesagt ein bisschen Humor es immer ganz gut dabei zu haben.

00:04:10: Worauf konzentriert ihr euch bei dieser Ausstellung?

00:04:13: Was sieht man?

00:04:15: Also das erste Mal, dass ist auch der Unterschied zu der Ausstellung im Mack.

00:04:19: Ist wenn man reinkommt in den Lichthof eine große Installation.

00:04:23: also das heißt es ist eine ursprünglich vor zwanzig Jahren.

00:04:27: es ist ein auch eine Theaterinstallation gewesen eine begehbare Installation In der Volksbühne Capo City.

00:04:35: Und danach, in dem Jahr die größte Einzelausstellung in einem Museum in Zürich im Mikromuseum hatte Christoph dort diese installative Bühne überführt und hat sie eben auch überführen Kunstraum.

00:04:55: Hat sie dann da jetzt nicht nur wieder aufgebaut, also wir so nicht eins zu eins, aber als die wieder aufgebaut hat sie entkernt, hat sie noch mal anders bestückt, anderes Videomaterial drauf projiziert zum Stillstand gebracht, hat auch ein kleines Kassenhäuschen, das ist quasi eine Arbeit, die ist achtzehn Meter vom Durchmesser und hat wie so Kuchenstücke, also die einzelne Räume Und hat die dann im Migromuseum auch wie so einzelne Kammern oder Kinokammern verstanden?

00:05:28: Die Bühne jetzt, diese Installation ist nicht mehr zu begehen.

00:05:32: Also der Betrachter muss quasi immer außen in diese Kammern reinschauen... Und ja, es ist nicht mehr direkt beteiligt.

00:05:42: Es ist natürlich auch keine Aktion mehr da drin außer die filmische Aktion und er hat auch den Ton abgestellt.

00:05:50: also der Raphael Gigaxer Kurator hat das so schön beschrieben und hat diese Arbeit als einen stillen Riesen bezeichnet.

00:05:59: Und das Schöne ist eben dass damals dieser Arbeit in die Sammlung im Miko Museum übernommen worden ist und dass sie deswegen noch gibt man die deswegen auch noch zeigen kann genau Und dann geht man eigentlich erst rein, also dieser Lichthof ist erstmal für alle so zu betreten.

00:06:16: Dann gehst du rein linker Hand.

00:06:18: Das fängt an mit der Church of Fear.

00:06:22: Ja, eine Arbeit gewesen die ja in dem Jahr zwei-tausend drei in Venedig gemacht hat.

00:06:26: Wo Christoph sich natürlich auch Churchill vier das war direkt nach Nine Eleven sich auch mit Ängsten auseinander gesetzt also Ängste die uns allen existieren in unterschiedlichster Natur Und er hat natürlich, oder was heißt?

00:06:43: Natürlich.

00:06:44: Er hat Angst auch als Produktivkraft beschrieben und hat sie eben... Oder hat sich in dem Moment darum gekümmert in Form dieser Kirche, hat eine Glaubensgemeinschaft gegründet.

00:06:56: Das Ganze war eben in Venedig mitgekoppelt mit den Pfalsitzern in den Jardinis.

00:07:04: Ja ich glaube schon dass er sich irgendwie auf Angst ist ein grundsätzliches Thema auch in seiner Arbeit und hat es da nochmal sehr direkt angesprochen, in dieser Arbeit Angst direkt anzusprechen.

00:07:18: Nicht zu kaschieren so dass sie sich eventuell über Umwege dann wieder in weiß nicht Rassismus formuliert und hat glaube ich auch da wieder Kunst als eine Form von Kommunikationsplattform wahrgenommen oder versucht Ja, für sich halt irgendwie zu verbalisieren.

00:07:40: Und dann geht es in die eine Richtung quasi Richtung neunziger bis hin zur Chance zweitausend und in die andere Richtung geht es dann mehr in die Arbeiten, die er geschaffen hat für Kunsträume, Museen also Ausstellungen, das ist dann die Seite, die man vielleicht bei Christoph auch nicht so viel kennt.

00:08:03: Da bin ich auch wahnsinnig froh über den Blick von Raphael Gigaaks, dass man Christoph in seiner Unterschiedlichkeit und Mehrschichtigkeit auch in den Arbeiten zeigt.

00:08:15: Also er war natürlich auch, ja, wenn man so will ein Meister der Überblendung, Überforderungen, Überlappung.

00:08:23: und diese Unterschiedlichkeit als Person in einer Arbeit zu finden ist aber auch in seinem ganzen ... Werksichtbar.

00:08:34: In der Presseerklärung oder die Presserklärungen, die bringt es auf drei Vokabeln.

00:08:40: Ich liese mal vor in der umfangreichsten Werkschau des Künstlers in Deutschland seit über zehn Jahren steht nicht das abgeschlossene Werk im Mittelpunkt sondern die Bewegung des Fragens, Zweifelns und Scheiterns, die seine Praxis prägt.

00:08:52: Sind das die drei Vorkabeln würdest du sagen?

00:08:54: Die man vor allen anderen auf seiner Arbeitsweise anwenden kann?

00:08:58: also Fragen zweifeln und scheitern?

00:09:02: Ich glaube, es gibt nicht die drei.

00:09:04: Also eben gerade das was ich versucht habe so ein bisschen alleine schon mit dem Thema der Angst in der Church of Four anzusprechen ist Christophs Werk und da ist es sehr schwer auf drei Wörter, drei Vokabeln zu beschränken.

00:09:22: Ich würde auf jeden Fall auch sowas wie Humor mit reinnehmen, was sehr schwer ist zu sehen oder zu erhalten.

00:09:31: die Unterschiedlichkeit und auch die Missstände in sich, aber auch nach außen formuliert.

00:09:37: Ich glaube sein oder vielleicht ist auch unsere Gesellschaft gerne bemüht zu erklären oder jemanden fassen zu wollen eine Arbeit fassen Zu wollen.

00:09:48: ich glaube Die Intensität Und Energie die er als Mensch hatte hat eben auch seine Arbeit und ich würde schon auch sagen es ist ein Permanentes Nerven, Befragen einer gesellschaftlichen Wirklichkeit überschreiten von Grenzen.

00:10:05: Ob das jetzt das Machbare ist oder das Sagbare?

00:10:09: Wir sehen einen Künstler der in verschiedenen Medien gearbeitet hat.

00:10:13: auch da spielt natürlich eine große Rolle dass er auch Institutionen jeglicher Form immer auch Überschritten hat an die Grenzen gebracht hat.

00:10:24: Ich glaube, er war genauso am Austausch wie an der Konfrontation interessiert.

00:10:30: Auch seine frühe Auseinandersetzung mit Geschichte, Kolonialismus, Recht Extremismus, Diskriminierung ... Da könnte ich jetzt anfangen und es würde wahrscheinlich ewig dauern.

00:10:41: Und da sieht man ganz schnell das drei Vokabeln nicht ausreichend

00:10:45: sind.".

00:10:46: Er selber wird in der Ausstellung so zitiert.

00:10:54: Ist er selbst jemand gewesen, der von irgendwas überfordert oder überfragt war und wenn ja dann wovon?

00:11:03: Auch sicherlich war er überforderd.

00:11:05: Er hat auch mal gesagt Wenn er überfordert wird oder ist Dann fängt er erst einmal an nochmal anders zu denken oder schärfer zu werden.

00:11:14: Also ich glaube durchaus dass er auch eine Überforderung mit sich oder mit Momenten ein Stück weit auch gesucht hat und natürlich auch veranlasst hat dann in der Arbeit.

00:11:26: Und ich weiß gar nicht, ob es da jetzt einen bestimmten Punkt gibt.

00:11:30: also mir fährt jetzt nicht ad hoc ein das war ein Moment und dann fallen wir natürlich doch Momente ein.

00:11:35: aber Ich glaube, es ist gar nicht so das vielleicht Interessante diesen einen Moment jetzt oder diese Momente zu finden.

00:11:43: Man sieht es ja schlicht und ergreifend auch schon in der Arbeit wenn man sich sowas wie den Container anschaut.

00:11:50: also die Bitte liebt Österreich Aktion in Wien dass er da etwas veranlasst hat sich Verhalten hat.

00:11:58: zur politischen Realität Zu dem Zeitpunkt.

00:12:01: Das war ja auch ein sehr zeitbezogener Künstler.

00:12:04: gleichzeitig hat er auch die Kontrolle verloren über die Reaktionen.

00:12:09: Er hatte sehr gespiegelt, auch eine Gesellschaft und hat selber zwar zum einen mal gesagt dass er dann auf einmal gar nicht mehr so direkt eingreifen konnte und das dann auch nicht mehr eher angeschrien wurde sondern die Menschen haben sich gegenseitig angeschrieben und er hat dann dabei zugeguckt.

00:12:26: und ich glaube auch daß das Nicht vorausseebare also das Risiko einzugehen dass ich etwas nicht kontrolliere kann durchaus auch überfordert sein und hat durchaus ... Kann ich mir schon vorstellen, dass ihn so einen Moment überforderd hat.

00:12:45: Was ihn aber jetzt nicht abgeschreckt hat sich in solche Situationen selbst zu bringen?

00:12:50: Ich finde das Interessante durchaus auch so in seinem Werk Und wenn man das dann hoffentlich vielleicht auch ein bisschen In so einer Ausstellung sieht oder mitbekommt wie selber er sicher auch in Frage gestellt hat, zu Dispositionen gestellt.

00:13:08: Christopher selber auch gesagt, er hätte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er auch egocentrisch ist und sich gerne auf Bühnen und vor Kameras rumtreibt.

00:13:16: Und man hat sich allein mit solchen Aussagen auch sehr angreifbar gemacht.

00:13:21: Das ist ja das Interessante eben auch in seiner Arbeit, dass der kritisiert hat, ob es eine Situation ist, Umgang mit Kunst Hochkultur, ob das Themen sind wie angesprochen Kolonialismus und so weiter.

00:13:39: Und hat sich aber nicht automatisch auf die vermeintbar sichere Seite oder richtige Seite gestellt und mit dem Finger auf andere gezeigt sondern würde ich schon sagen auch gefragt wo steckt in mir vielleicht das was ich bei anderen kritisiere?

00:13:57: Das finde ich erstmal.

00:13:59: Wenn man jetzt zurückkommt auf Überforderung, ist das ja auch etwas sehr überfordernendes.

00:14:06: Und das ist für mich rückblickend.

00:14:08: oder wenn ich dann so eine Ausstellung sehe in den Arbeiten... Ihnen in den arbeitensseer finde ich das irrsinnig mutig sich so sehr auch zur Fläche zu machen.

00:14:22: Also da habe ich den allergrößten Respekt, weil er sich halt bequem Vorstellungen schlichtweg auch verweigert hat.

00:14:31: Das weiß nicht böse oder sowas oder auch Erwartungshaltung von dem was das ist immer nur auf der anderen Seite ist und vielleicht auch dieser auf meiner.

00:14:40: Ja

00:14:42: vieles an seiner Arbeit ist auch eng mit Berlin verbunden.

00:14:45: Was hat ihm dieser Ort bedeutet?

00:14:50: Er hat hier gelebt und ist natürlich auch viel gereist.

00:14:53: Und ich glaube, das war auch sehr wichtig, dass er ... War schon wie ein Schwamm, der sehr viel aufgenommen hat was man dann eben auch nicht nur in dem immer gleichen Umfeld machen kann.

00:15:04: aber ja ich glaub dieser Ort ist natürlich ein wichtiger Ort für ihn in seinem Werdegang auch gewesen durch die Volksbühne Das erste Theater wo er gefragt worden ist seine erste Inszenierung zu machen Und das war auch mit ein wichtiger Grund, dass er nach Berlin überhaupt gekommen ist.

00:15:25: Ich kann mir vorstellen die Geschichte als ich glaube dieser sich verändernde oder immer verändernden Stadt ist durchaus auch etwas Christoph Wahn Künstler der einfach auch immer in Bewegung war und außen und innen miteinander verknüpft hat.

00:15:40: Und ich glaube es ist auf jeden Fall etwas was Berlin ihm gegeben hat aber auch Berlin viel gegeben hat Ja, aber weiß wo er jetzt leben würde.

00:15:52: Ihr habt euch in Zürich kennengelernt oder?

00:15:55: Du bist, haben wir noch gleich gesagt über weiss glaube ich auch jeder.

00:15:58: du bist Kostüm und ja auch Bündnisnachenden.

00:16:01: Habt ihr euch darüber kennengelernet?

00:16:03: Genau!

00:16:03: Ich habe damals im Schauspielhaus gearbeitet unter der Intendanz von Christoph Martaler und genau und da hat Christoph dann eben auch gearbeitet.

00:16:13: Ihr

00:16:15: habt dann auch angefangen miteinander zu arbeiten.

00:16:19: Wie, wenn man das überhaupt so differenzieren kann?

00:16:22: Wie war er denn als Kollege oder als Boss in dem Fall?

00:16:26: Ich glaube so überfordert wie seine Arbeit war, war auch er auch in der Arbeit.

00:16:31: also ich fand es aber sehr beeindruckend und ich habe natürlich irgendwie dadurch dass ihn recht jung kennengelernt hat, auch jung im Start meiner Karriere.

00:16:42: Hat er mich natürlich auch sehr geprägt in meiner Arbeit und als er nicht mehr da war habe ich dann auch gemerkt was er eigentlich auch so mitgebracht hat und was das für eine Qualität war mit ihm zu arbeiten.

00:16:54: und es ist auch da wieder irgendwie schwer zusammenzufassen.

00:16:59: aber So überfordernd er war, hatte ein irrsinnig breites Spektrum.

00:17:05: Das fand ich interessant.

00:17:07: also diese Aufnahmefähigkeit von dem was nicht nur deine Bereiche jetzt bei mir als Kostümbildnerin in dem Fall oder ob das Licht, ob das Ton, also Musik war... Er hat ja auch oft selber mit Die Bühne gemacht hat aber eben genauso mit Bühnenbildnerin gearbeitet, denen auch die andere künstlerische Position in deren eigenständiger Expertise mehr als nur respektiert.

00:17:35: Das ist glaube ich etwas was gerade so im Theater jetzt heute eine große Diskussion ist Flache Hierarchien und wie man mit diesen Machtverhältnissen gerade auch so im Künstlerischen umgeht.

00:17:48: Und das war's ja schon, er hat sich eben genauso auch da zur Debatte gestellt.

00:17:54: Er war schon auch ein Vorland sehr.

00:17:56: Dadurch dass er durchaus auf die Bühne sich bewegt hat vor die Kamera sich gestellt, hat immer den Kopf auch hingehalten würde ich schon sagen und gleichzeitig seinen Gegenüber auch sehr mit einbezogen.

00:18:10: Und ja, dieses wie ich angesprochen habe breite Sprektum auch von Wissen.

00:18:15: Also dadurch dass er jemand war aus dem Film kommen, da so ja nicht im Theater angefangen und eigentlich alles selber von Kamera machen über Schnitt-, über Ton-, über Anträge stellen.

00:18:27: Chris war auch extrem in der Kommunikation, wie er gearbeitet hat sehr schnell und ein Wissen darum von verschiedensten Handwerken natürlich auch gespürt.

00:18:41: Also, ich glaube der hatte das was auch glaube ich viele so nicht unbedingt ja für sich halt irgendwie so zugeben würden da hat die unterschiedlichkeit in sich selbst oder den widerspruch in sich selber auch gezeigt und gelebt dass ein mensch nicht nur diese eine und die andere seite hat beziehungsweise ich bin das und das und damit schließt es einen gegenüber aus immer eben diese verschiedenen Seiten in sich hatte, hat er auch in der Arbeit gehabt und gezeigt.

00:19:15: Ja!

00:19:17: Du hast es auch schon gesagt, Christoph Schlegensieff hat sich mit sämtlichen Medien befasst.

00:19:22: Eines wie Instagram hätte ich nicht mehr erlebt.

00:19:24: Der ist im Jahr zwei Tausendzehn gestorben.

00:19:28: Und das war das Jahr, in dem Instagram gelaunched ist.

00:19:32: Wäre das wohl ein für ihn spannender Ertrag, reicher Austragungsort gewesen.

00:19:38: Hätte ihm das getaubt?

00:19:39: Wie man auf Bayerisch sagt...

00:19:42: Das kann ich nicht beantworten!

00:19:44: Ich weiß noch Facebook hat er noch mitbekommen an den Anfängen und war fasziniert von Möglichkeiten also in dem Sinne auch eines Netzwerkes im Austausch oder gleichzeitig auch die Kritik geübt dass man so einfach jemanden so niederschreien kann, also die Bösartigkeit oder die Vernichtung.

00:20:06: Das war etwas ganz, ganz Schwieriges für ihn.

00:20:09: Interessant!

00:20:11: Und das hat er sehr, sehr früh gesehen als ein Problem so einer Plattform.

00:20:15: und es war natürlich auch jemand der sehr technisch versiert war, also der sowohl digital als auch analog gearbeitet hatte auch nicht sagen wir mal vergangene Techniken verlassen, sondern hatte ich immer wieder mit denen auseinander gesetzt.

00:20:33: Das sieht man zum Beispiel auch ganz schön in der Ausstellung dass da analoge Filmer, Monitore wie auch Screens und Projektionen sind.

00:20:42: Und das sind ja Arbeiten die er so autorisiert hat und hinterlassen hat.

00:20:50: Er ist auch später wieder zum analogen Film gegangen.

00:20:54: Das glaube ich schon, dass er für jegliche Form ... oder interessiert gewesen, was er zu so einer KI-Diskussion gesagt hätte.

00:21:07: Also Technik per se zu verteufeln oder etwas zu verneinen ähnlich wie Alexander Kluger der ja auch irgendwie sich mit jedem Medium und Kommunikationsmittel auseinandergesetzt hat dabei Christoph die Bande sich auf eine Art und Weise sehr ähnlich.

00:21:26: Und deswegen ist es ganz, ganz schwer zu sagen.

00:21:28: Weil eben natürlich trotzdem auch der Missbrauch oder die Problematik der Vernichtung über so ein Instrument besteht und das ist etwas, was er sehr früh gesehen hat.

00:21:43: Ja!

00:21:44: Und was er auch selber erlebt hat bzw.

00:21:47: den Versuch nämlich im Jahr war, als er den Passival in Bayreuth inszeniert hatte Das unter ganz großem allgemeinen Protest der Wagnerianer, der Kulturelite und überhaupt des bourgeoisen Publikums in der Presse.

00:22:01: Hat er darunter gelitten oder hat er überhaupt so viel Abwehr erwartet?

00:22:06: Die ganzen Buchrufe bei der Premiere und auch später?

00:22:10: Ja ich mein Christoph hat weit vorher irrsinnig viel Gegenwind bekommen ja und extremst vernichtende Presse und Ablehnung.

00:22:20: Also ich würde schon sagen, der ist da in seinen ersten Filmen mit aufgewachsen.

00:22:25: Dass er mehr als nur Kontra bekommen hat und es gab dann natürlich immer solche Momente wie das Kettensingen Massaker bei Reut aber auch sowas wie der Container wo er extremste Gegenwehr hatte und auch vernichtende Presse hatte Und natürlich hat ihn das angegriffen.

00:22:46: also Es ist auch etwas was sich manchmal höre, wenn gesagt wird das was er da gemacht hat.

00:22:54: Was weiß ich vor zwanzig Jahren oder noch länger her?

00:22:56: Das wäre heute gar nicht mehr möglich also nicht nur in unserer Gesellschaft sondern auch in der Form von ob es jetzt Presse ist oder irgendwas wie Social Media wärst gekänzelt und so weiter.

00:23:08: Es war damals auch nicht möglich Also nicht nur In seiner Situation Nicht Sondern ja grundsätzlich.

00:23:16: Also er hat sich das auf jeden Fall sehr, sehr ran genommen und hat da drunter auch auf total gelitten.

00:23:22: Es ist aber eben der Preis den er gezahlt hat.

00:23:26: Er hat damit ja nicht aufgehört.

00:23:28: Das ist der Preis, den er gezahlt hat dafür dass er sich eben zur Disposition gestellt hat und sich auch ins Bild gestellt hat, also sich angreifbar gemacht.

00:23:40: Er hat Positionen zu Themen bezogen und wenn du das tust dann bist du ja immer angreivbar und kritisierbar.

00:23:47: Und das wusste er natürlich und dafür würde ich sagen immer sehr früh einen hohen Preis bezahlt.

00:23:58: Aber es war nicht so dass das ein Antrieb war?

00:24:01: Du meinst, dass man... Gibt es ja auch

00:24:04: die Dynamik des Selbsthass?

00:24:06: Nein.

00:24:06: Nicht selbsthass sondern aus wahrscheinlich so eine ganz extremes Bedürfnis nach Auseinandersetzung oder...?

00:24:13: Schon!

00:24:14: Also ich glaube auch, dass Christoph nicht damit umgeht.

00:24:17: also er war ja eher davon interessiert wenn der Diskussion startet als wenn er die abschließt.

00:24:22: Er hat ja auch in seinen Abenden und Arbeiten Fragen gestellt als Antworten gegeben Und ich glaube auch, dass Selbstzweifel und Unsicherheiten ein Antrieb von ihm waren.

00:24:36: Dass sich sicher sein um sich selbst... Also auf der einen Seite zu sagen, ich bin egocentrisch auf der anderen Seite ganz klar, eine Selbstzweihe in Sicht zu haben und den auch zu benennen.

00:24:49: Ganz statt ihn eben einfach wegzudrücken, hat ihn einfach nicht interessiert.

00:24:54: Also er hat auch nicht interessieren irgendwann nur noch zu funktionieren in seiner Arbeit, berechenbar zu sein.

00:25:00: Also das Unberechenbare ist sicherlich auch etwas was er mitgebracht hat und ich glaube schon dass es alles auch Antriebe waren.

00:25:10: Ja du bist ja Christoph Schlingen sich erbeln und verwaltest seinen Nachlass und durch diese Rolle bist du immer wieder in der Situation hier auch jetzt, dass du dich interviewern stellst die dich teilweise, hoffentlich nicht so Sehr, sehr private Dinge fragen.

00:25:28: Gewöhnt man sich da irgendwann dran?

00:25:31: Man kann ja auch diese Fragen nicht beantworten.

00:25:33: Ja!

00:25:34: Das gibt es schon auch.

00:25:35: die Situation ist du sagst schön...

00:25:38: Ich meine ich habe diese Position nicht gewählt und die hätte ich von mir aus aus meinem naturell auch nicht gewählt.

00:25:45: also ich bin niemand der gerne vor der Kamera oder ich hab mich umsonsten Job hinter der Bühne gewählt, mit dem ich auch nach wie vor mein Geld verdiene.

00:25:54: Und ich würde doch immer sagen Ich bin als erstes Kostümbildnerin und diesen Job liebe ich auch.

00:26:01: und das ist ein Job ja wo ich merke Das bin genauso ich so.

00:26:07: Das ist natürlich etwas ... Es ist eine Verantwortung, die ich trage.

00:26:11: Und in dieser Verantwortung oder diesen Job, den ich dann auch leiste, geht es für mich zumindest nicht um meine Beziehung mit Christoph Schlingsief.

00:26:20: Sondern es geht darum ein Werk zu verwalten und aufrechtzuhalten, zugänglich zu erhalten.

00:26:26: Ich entscheide ja auch nicht aus meiner Beziehungen zu ihm was jetzt zum Beispiel unabhängig davon das... eine kuratorische Position gibt, in dem Fall eben Raphael der dann auch ganz klar selbst wenn wir sehr eng zusammengearbeitet haben.

00:26:44: Der dann aber auch entscheiden kann und muss warum welche arbeiten wie interessant sind oder was für einen Zugang er zu seinem Berg hat.

00:26:53: also ich würde zum Beispiel mich jetzt auch nicht als die große Schlingensiefexpertin bezeichnen.

00:26:58: Und wenn ich jetzt aus meinem persönlichen Handeln würde im Sinne einer Ausstellung, das wird nicht funktionieren.

00:27:07: Da geht es ja nicht um mich sondern da geht es um den Künstler Christoph Schlingsief der keine Sprache mehr hat außer dem was er uns hinterlassen hat und dadurch dass ich eben diese Aufgabe habe und auch dazu ja gesagt hab.

00:27:24: auf eine Art und Weise gehört es dann auf einmal dazu, dass man darüber spricht.

00:27:28: Aber ich spreche ja jetzt auch wie hier über einen Künstler und eine Ausstellung aus einer Überzeugung dazu.

00:27:37: Und das hat erst mal gar nichts zu tun, wie Christoph und ich waren.

00:27:41: Ja!

00:27:43: Liebe Einen, jetzt kommen wir schon zu den letzten beiden Fragen die in diesem Podcast jeder Stelle so auch dir.

00:27:50: Die erste lautet, welches ist dein Lieblingsmuseum?

00:27:56: Ich finde es wirklich schwierig zu sagen, also zum einen habe ich nicht jedes Museum gesehen.

00:28:01: Deswegen hab' ich da schon mal ein großes Problem.

00:28:05: Es kann aber ruhig subjektiv sein!

00:28:08: Das ist ja natürlich auch sehr subjektiver.

00:28:11: Ich liebe sowas wie die Gemäldegalerie und sagen wahrscheinlich auch viele...

00:28:15: Nein gar nicht so.

00:28:16: Kann

00:28:17: nämlich auch international sein.

00:28:19: Aber ja, ich mag schon eine Ruhe oder auch den Kunstgeschichte durchaus einzutreten.

00:28:27: Aber es ist natürlich auch total abhängig von Ausstellungen.

00:28:32: Das Guggenheim ist irgendwie von der Architektur natürlich wahnsinnig spannend und je nachdem was dann eben für Ausstellung dort zu sehen sind.

00:28:41: aber du hast eben diesen extrem prägnanten Raum... Ich finde das wahnsinnig schwierig, denn es ist natürlich auch einfach nicht nur von den Ausstellungen abhängig.

00:28:52: Oder wenn du in eine Sammlung gehst, gibt's auch Museen mit einer persönlichen Verbindung.

00:28:58: Wenn man da eventuell schon mal gearbeitet, ich werde jetzt auch in den Gropiusbau anders reingehen als ich das zuvor getan habe und das ist auch was, was sicherlich eine Rolle spielt.

00:29:08: Von daher gibt's bei mir verschiedene Zugänge.

00:29:15: Gut, da kommen wir jetzt zu allerletzten Frage.

00:29:17: Wenn ich dir einen Kunstwerk schenken würde und du könntest dir jedes aussuchen was es auf dieser Welt gibt welches würdest du nehmen?

00:29:25: Das ist eine schwierige Frage.

00:29:28: also ich hätte zum Beispiel lange gesagt die Gartenskulptur von Dieter Roth okay und würde auch sicherlich noch mit nennen, aber ich glaube es hat dann auch wieder damit zu tun wo man gerade ist in seinem Leben.

00:29:42: Also zumindest geht's mir so dass man grade auch jemanden neu entdeckt.

00:29:46: also ich Louis Bourgeois finde ich zum Beispiel auch eine fantastische Künstlerin.

00:29:51: ich würde aber jetzt mir zb nicht die Spinne sofort wünschen sondern vielleicht irgendwas anderes genau.

00:29:59: naja ich meine die Gartenskriptur ist auch etwas schwieriger irgendwo hinzustellen.

00:30:05: Also ich glaube, ich bin dann immer so zu überdenkend.

00:30:08: Ja im Vorfeld.

00:30:11: Gut, Einu, ich danke dir für dieses tolle

00:30:13: Gespräch!

00:30:14: Danke dir!

00:30:18: Das war Folge hundertdreißig von Diesortzusehen.

00:30:21: Wir danken fürs Zuhören, freuen uns schon wieder auf unsere nächsten Gäste und natürlich auch Sie In zwei Wochen neu auf Grise Wachtort kommen und überall wo es Parkkastens gibt.

Über diesen Podcast

Grisebach fühlt sich neben dem klassischen Kunsthandel mit Bildern stets auch dem Auftrag verpflichtet, Kultur zu vermitteln und Diskurse zu fördern. Es dreht sich hier nicht ausschließlich um die Kunst an sich, sondern immer auch um die Geschichten dahinter.

Und genau damit befasst sich der neue Grisebach Podcast.

Wir sprechen mit berühmten Malerinnen, Musikern und Autorinnen - und allen anderen, die etwas in oder über die Kunst zu sagen haben.

Es wird um die Bilder gehen, die unsere Leben prägen. Die uns inspirieren oder verfolgen. Die uns glücklich machen können oder andächtig. Solche, die im Museum hängen. Solche, die vor unserem geistigen Auge entstanden sind. Erinnerungen, Gemälde, Skizzen, Schnappschüsse, Plattencover, Gifs,– Hauptsache, sie haben uns anders auf die Welt sehen lassen.

Credits
Redaktion und Moderation: Rebecca Casati
Schnitt: Juliane Fritz
Titelmelodie: Dagobert
Cover: Selina Pavel

von und mit Rebecca Casati

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