Der GRISEBACH-Podcast mit Rebecca Casati
00:00:04: Da ich der festen Überzeugung war, dass man Kunst nicht studieren darf.
00:00:09: Wenn man ein bisschen älter ist, war klar, dass ich erst mal was anderes studiere.
00:00:14: Aber ich wollte ja auch keine Kunst studieren, weil das, was in den Kunsthochschulen passiert, war einem wirklich so klassischer sozialistischer Realismus
00:00:22: überwiegend.".
00:00:24: Herzlich willkommen in Folge hundertdreißig von dieser Zusehen dem Griesebach Podcast!
00:00:30: Alle zwei Wochen sprechen wir hier mit Menschen die etwas IN der Kunst oder Übersied zu sagen haben.
00:00:36: Heute zu Gast ist Karsten Nikolaj.
00:00:39: Er ist ein interdisziplinärer Autodidakt, arbeitet einerseits unter dem Namen Alva Noto als Musiker andererseits unter seinem Geburtsnamen als bildender Künstler.
00:00:50: Ausstellungen wie auf der Dokumenta oder auf der Bienale in Venedig haben ihn international bekannt gemacht.
00:00:56: Seine Zusammenarbeit mit dem japanischen Superstar Rui Chisakamoto werte über zwei Jahrzehnte.
00:01:01: zusammen schufen sie die Filmmusik für den oscar-prämierten
00:01:04: Film.
00:01:07: Gerade hat eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof eröffnet, in der man eines ihrer gemeinsamen Projekte erleben kann.
00:01:13: Und wir freuen uns dass er heute bei uns zu Gast ist und uns über seine Arbeit und sein Bewegtesleben erzählt.
00:01:19: Herzlich willkommen in Folge hundertdreißig von die Sucht zu sehen!
00:01:23: Lieber Karsten Nikolaj Hallo Schön das du Zeit für uns hattest.
00:01:29: Du hast gerade glaube ich sehr viel um die Ohren.
00:01:32: gerade hat deine Ausstellung eröffnet im Hamburger Bahnhof, in den Rieck-Hallen.
00:01:37: Erzähl uns was darüber!
00:01:39: Ja die Ausstellungen... es geht eigentlich um die visuellen Arbeiten, die entstanden sind.
00:01:45: Umori Chisakamoto Es ist also eine Zusammenstellung von Kollaborationen, die da stattgefunden haben und diese Ausstellung war bereits zu sehen in Tokio In einer größeren Variante.
00:02:03: Glücklicherweise ist sie jetzt nach Berlin gekommen.
00:02:07: Und scheint ein voller Erfolg zu sein, denn eben war es kneilvoll!
00:02:11: Ja also das ist ja außerhalb meiner Reichweite.
00:02:15: ich muss dazu sagen dass die Tokyo Variante glaube ich die bestbesuchteste Ausstellung war im Museum of Modern Art Tokyo in der Geschichte des Hauses.
00:02:26: Das gab dann noch wirklich schon Probleme mit der Klimaanlage Weil das Haus einfach nicht konzipiert war für so viele Besucher.
00:02:35: Das ist wirklich ein großes Haus, die hatten über dreihunderttausend Besucher in der Zeit und ...
00:02:43: Ruchi Sakamoto.
00:02:44: Ein Superstar, also war ein Superstar erst ja leider gestorben schon.
00:02:51: Und du bist auch nicht ganz unbekannt?
00:02:53: Eure Zusammenarbeit dauert jetzt glaub ich auch schon zwei Jahrzehnte oder?
00:02:58: Ja!
00:02:59: Also wir haben jetzt kennengelernt.
00:03:05: Ich war eingeladen in Japan, so eine kleine Tour zu machen zusammen mit drei anderen Musikern.
00:03:12: Das war überhaupt meine erste Japan-Reise überhaupt und als wir in Tokio gespielt haben, hat damals einer der beteiligten Künstleren dieser Konzertreihe Ryoji Ikeda, der ein sehr eigener Freund war oder ist übernach natürlich.
00:03:32: Und weil wir uns so in einer ähnlichen Art von Nische befunden haben, von Musik mit der wir uns beschäftigt haben und das war die wenigen, die in dieser Richtung gearbeitet hatten, die kannten sich untereinander.
00:03:45: Also Reajib hatte damals nach dem Konzert gesagt, komm mal mit!
00:03:49: Meine Freunde sind da und neben vielen anderen, die ich an dem Abend Backstage dann kennengelernt habe, war auch Ruiji dort der offensichtlich mein allererstes Konzert überhaupt gesehen hat.
00:04:05: Das war in Spira, in Omotesando.
00:04:08: Okay!
00:04:08: Das ist ein multifunktionaler Ort, die einen relativ großen Konzerthalle... Also viele kennen das.
00:04:15: Und er war auch da?
00:04:17: Er war da und hat mich dann danach angesprochen ob ich Lust habe den Remix für ihn zu machen.
00:04:24: In der damaligen Zeit war er gerade so im Brasilien unterwegs und hat sehr viel mit so klassischen Bossa Nova-Künstlern zusammengearbeitet, den Morellenbaums.
00:04:37: Und er hatte mich kolioserweise gefragt ob ich Lust hätte einen klassischen Bossanova-Song zu remixen, den sie aufgenommen hat was ziemlich spannend war weil meine Musik glaube ich alles andere war also nur vollkommen anderer Richtung zielter als in klassische Musik oder bossa nova.
00:04:56: das lag erstmal gefühlt sehr weit weg voneinander.
00:05:00: Aber so sind wir in Kontakt gekommen.
00:05:02: Euch hat neben wahrscheinlich ganz viel im anderen verbunden, Ihnen vor allem glaube ich in den letzten Jahren der Ansatz Töne sichtbar zu machen?
00:05:13: Ja das ist Ruyji Beyer nicht... Das steht jetzt hier am Hamburger Bahnhof Ruyjisakamoto auf dem Poster und sein Name ist natürlich sozusagen der Trägt diese Ausstellung.
00:05:25: aber eigentlich sind die visuellen Beiträge immer von den Kollaborateurn, also von denen Leuten mit denen er zusammengearbeitet hat.
00:05:33: Ritzy war immer extrem interessiert an visuellem Künstlern eines tätigen Konzepten.
00:05:41: Er hat sehr zeitig schon mit Namjoon Pike zusammen gearbeitet.
00:05:46: Der hat die Nähe zu Ende Wohl gesucht weil er lebt ja in New York dann viele Jahre und die meisten Jahre eigentlich stand.
00:05:57: Das war eine normale, symbiotische Beziehung.
00:06:01: Es brauchte natürlich auch mal Covers und Videos in der Art von Musik eingestottert ist.
00:06:08: Nimm jetzt mal diese Yellow Magic Orchestra Phase am Anfang, die ja später in seiner Solo-Karriere ging schon in Richtung Pop!
00:06:20: Das war jetzt...
00:06:21: War ja auch mein Inchatz, weiß ich noch.
00:06:24: Also es war sicher auch bestimmt der wichtigste japanische Popkünstler in der Außenwahrnehmung und er war immer sehr interessiert ist aber natürlich jemand der gesehen hat was an neuesten Bewegungen oder interessanten ästhetischen Konzepten existierte und hat dann die Kollaboration gesucht.
00:06:44: Er hatte nicht unbedingt selber diese Visuals gearbeitet Er hat in Prinzip sehr viele kreative Köpfe miteinander verbunden.
00:06:54: Jetzt wird ja nur ein Genre beleuchtet, also die bildende Kunst.
00:06:58: Also da gäbe es noch weitere Genre.
00:07:02: aber die Verbindung zum visuellen ist natürlich dann auch später noch offensichtlicher in dem Moment wo er gefühlt aufhört die Pop-Karriere zu verfolgen Und ihr wahrgenommen wird als jemand, der Soundtracks schreibt.
00:07:19: Für tolle Filme Bertolucci ist sicher ganz wichtig hier zu nennen.
00:07:23: That's the Kaiser und teilweise beginnt auch selber mitzuspielen in den Filmen.
00:07:27: Also Merry Christmas mit Bristol Lawrence ist sicher auch einer der großen Ikonen seiner Karriere aber da war er ja auch selber Schauspieler mit.
00:07:36: also er waren extrem breit orientierte und breit aufgestellter sehr intelligent Aber auch sehr neugierig und sehr interessiert, ein interessierter Mensch.
00:07:48: Ja!
00:07:50: Dann sprechen wir doch jetzt mal wieder zu dir, Carsten.
00:07:53: Du bist geboren in Keimarkstadt heute Chemnitz im Jahr nineteen sechzig?
00:07:59: Genau
00:08:00: Und hast wann angefangen dich mit Tonmusik auseinanderzusetzen und wahrscheinlich nehme ich an wie jeder Teenager auf den üblichen Wege
00:08:10: ja?
00:08:12: Also ich muss jetzt vielleicht ganz kurz vorausschicken in der politischen Konstellation, in der gesellschaftlichen Konstellations, in die echt groß geworden bin.
00:08:22: Und vielleicht auch noch in diesem Biotop Karl-Marck-Stadt.
00:08:25: Das klingt jetzt erstmal so sozialistisches Stadtzentrum, so eine Retortenstadt fast.
00:08:31: Aber es ist trotzdem eine Stadt gewesen, die eine extrem lange Industriegeschichte zum Beispiel hat, wo extrem viel Technologie erfunden worden ist.
00:08:43: Textil, Technologie vor allen Dingen aber auch Automobilindustrie kommt daher und also das war ein extrem avantgardistischer Ort in Terms auf Technologie Aber zu DDR-Zeiten war es auch ein extrem Avantgardistische Ort für verbildende Künstler oder Schauspiel.
00:09:02: Vielleicht weil's in der Peripherie lag vielleicht weil auch kein in der Kunsthochschule in die Stadt gab.
00:09:10: Aber hundert Prozent auch deswegen, weil es dort eine Gruppe von Künstlern gab, die sich in einer Genossenschaft organisiert haben.
00:09:17: In Formen, die es ja heute auch in dieser Gesellschaftsordnung gibt – also eine Genossenschaft zu gründen bzw.
00:09:24: zu betreiben ist ja eine der stabilsten Formen überhaupt.
00:09:29: Also die kurioserweise in beiden Gesellschaftsformen Bestand hatten.
00:09:36: Zu DDR-Zeiten war diese Überhause die Genossenschaft unabhängiger vom Staat als in einem volkswirtschaftlicher Betrieb.
00:09:45: Und die Künstler, die sich da zusammengetan haben hatten eine ganz große Affinität zu autodidakten weil vielleicht das auch noch eine Gegenreaktion war zu dem offiziellen Stil der sozusagen
00:09:59: an den Kunstschulen gelehrt wurde?
00:10:00: Nicht nur an die Kunstschule, denn da aber provagiert wurde und es geht um sozialistischen Realismus.
00:10:07: Und wir waren natürlich alle nicht besonders interessiert an diesen Konzepten sondern wir waren interessiert ein anderen Konzept und so waren die Autodidakten für uns die wichtigeren Inspirationsfiguren, die ja wiederum dadurch dass sie keine Kunsterschulle besucht haben und das diese Quereinsteiger waren komplett kurios biografien hatten.
00:10:30: Das heißt, ich bin im Prinzip in einer Situation groß geworden wo du das Gefühl hattest, du kannst jetzt alles machen.
00:10:39: Du könntest Film drehen, du könntest Musik machen... ...du könntest malen und schreiben und Konzept machen.
00:10:47: Und da gab es ein paar Figuren die mich eben ganz besonders beeinflusst haben.
00:10:52: Und das waren so Figuren, die genau in solchen Zwischenräumen hingen, dass sie teilweise Musiker waren, teilweise haben die Performen teilweise an die Fotografie gemacht, die haben Konzeptkunst gemacht.
00:11:04: Also das war alles ging und es war natürlich auch extrem gelebt.
00:11:10: Es gab dann nicht so ... Das war nicht ein Beruf!
00:11:13: In der Atmosphäre bin ich groß geworden.
00:11:16: Am Anfang war ich eigentlich nur ein ganz interessierter Musikhörer.
00:11:21: Okay.
00:11:22: War die Wahl bei euch im Ort oder in deiner Szene, in der du dich bewegt hast?
00:11:27: Entweder man geht Fußball spielen ... Oder man macht ... Man schließt sich diesen Künstlern an?
00:11:32: Oder warum
00:11:34: ... Ja, Fußball spielen tut man sowieso.
00:11:37: Weil das war vollkommen normal.
00:11:38: Ich bin ja in so einem klassischen Neubauplak groß geworden, wo man immer sozusagen sich getroffen hat zum Fußballspielen.
00:11:45: Das war sozusagen der Klassiker.
00:11:47: Und es gab auch keine unterschiedlichen Szenen, sondern alle machten alles.
00:11:51: Ja ein bisschen da war ein Fußball.
00:11:53: gespielt hast du natürlich da wo du gewohnt hast.
00:11:56: und dann darf ich jetzt nicht vergessen ich hatte in drei Jahre älteren also ich habe immer noch einen dreijahrer ältern aber damals war es wirklich drei jahre war extrem viel.
00:12:05: das waren sozusagen wo ich elf war war der Olaf schon vierzehn oder vierzehnt und er konnte dann in die p-vierzehn Filme gehen und ich eben nicht so.
00:12:14: also das war dann schon riesen Unterschied.
00:12:16: Aber Olaf kannte natürlich auch ein paar Leute in der Szene und Szene heißt jetzt, das waren so eine Gruppe von Leuten die vielleicht alle in so eine Kreativrichtung gegangen sind.
00:12:30: Egal was jetzt ob das Musiker oder Bildende Kunstwerk oder Theater oder ja das hätte alles sein können Film.
00:12:36: Und wir hatten so.
00:12:38: es gab so eine klare Regel wenn du einen interessanten die Künstler gefunden oder eine Schallplatte hat, könntest du sie nur tauschen.
00:12:54: Wir waren extrem interessiert, Schallblatten zu haben von Künstlern, die wir besonders gut fanden.
00:13:02: Sie mussten mal noch ein bisschen entdecken und wenn du diese Schall-Platte, wenn die anderen diese Schallsplatte haben willst, kamst du in den Genuss auch andere Schallplatten von anderen dir zur Borge und dann wird er das überspielt auf Tape.
00:13:14: Oder wir haben halt viel Radio gehört, weil.
00:13:16: also Radio und Fernsehen haben wir natürlich gehört.
00:13:20: Dazu muss man sagen gibt es so eine Verständnis dass wir im Osten alle kein Westfernsehen hatten oder keinen Westradio, wir hatten das.
00:13:28: Das ging schon.
00:13:29: Auf
00:13:29: jeden Fall in den Großstädten?
00:13:31: Ja außer in Dresden durch diese Tallage.
00:13:33: da war's ein bisschen schwieriger.
00:13:34: Teile
00:13:35: ahnungslos!
00:13:37: Eigentlich schlimmer.
00:13:39: Die schlimme Beschreibung.
00:13:42: Welche Musik mochtest du damals?
00:13:43: Was waren diese Band oder Künstler, die du entdeckt hast?
00:13:49: Ich mochte damals ... Es gab eine Künstlerin, die zu Hause Home-Recording aufgenommen hatte.
00:13:55: Daniela Daxi ist sie zum Beispiel.
00:13:57: Ich glaub, die kennen noch wenige Leute.
00:14:00: Das sprechen wir jetzt wirklich so über achtzeigere Jahre.
00:14:03: Ja!
00:14:04: Von den bekannteren Sachen Sehr, sehr einflussreich war Neubarten.
00:14:09: Also einen Einsturzen-Neubarten-Plexer mit dem ich ja das großartige Vergnügen hatte dann später mal zusammenzuarbeiten.
00:14:16: also sind jetzt befreundet.
00:14:18: aber der war am Anfang natürlich ein extremer Einfluss.
00:14:21: es waren natürlich auch die frühen Einstürzeneubarten in der Zeit.
00:14:24: also ich rede jetzt glaube ich so zweiundachtzig dreiundachtzlich von derzeit und riesen Einfluß.
00:14:32: die Schaltplatte hat mich glaube ich vollkommen umgehauen.
00:14:36: Die erste Laurie Anderson, die United States.
00:14:38: Das war der Mitschnitt von ihrer Performance.
00:14:44: und Brian Eno und David Byrne Ghost in The Bizzle of Bush.
00:14:48: Ich hoffe das ist jetzt richtig aussprechebend.
00:14:52: Und die waren so loopbasierende zusammengeschobene Sachen mit Samplingen.
00:14:59: Jetzt kann ich sie ein bisschen entschlüsseln.
00:15:01: als ich damals das erste Mal gehört habe klang das einfach mal komplett anders als alles andere, was man so von Hörgewöhnheiten kannte und Popmusik hat mich absolut null interessiert.
00:15:14: Nein denn das sind ja alles Künstler.
00:15:16: also Daniela Dachs kenne ich jetzt natürlich nicht aber die du genannt hast nein die kenn ich an der Schnittstelle immer zu Kunst.
00:15:25: Ja das ist doch ein Missverständnis weil es war immer miteinander verbunden da gibt's keine Trennung.
00:15:32: Ja, ich sage immer die Kunsthochschulen waren offensichtlich die besseren Musikrochschullen.
00:15:39: Also Popmusik oder Leute wie David Boyd oder Brian Ferry oder Brian Eno.
00:15:46: Die waren alle auf der Kunsthochschule?
00:15:47: Ja und die kommen aus diesen Kontexten heraus.
00:15:52: Es gab da immer eine enge Verbindung mit einer Meinung selbst ganz großen Kunst.
00:15:58: Also, die jetzt Pop machen richtig.
00:16:00: So ist diese Verbindung ... Wenn du ein bisschen tiefer schürfst, ist die da ... Die verliert sich dann halt nur in der Kommunikation, glaub ich eher.
00:16:09: Aber im Startpunkt also gerade Großbritannien, die ganzen britischen Künstler, da war das ein guter Ort, in der Kunsthochschule zu sein?
00:16:19: Ja!
00:16:20: Du hast mal in einem Interview beschrieben die Events, die damals stattfanden, also die du besucht hast dass die oft, auch wieder das Wort Schnittstelle an der Schnittsstelle oder am Übergang von Party zur Ausstellung lagen.
00:16:37: Das war natürlich auch deswegen weil es offiziell keine Party geben durfte und weiß offiziell keine Buchpublikationen geben durften, weiß offiziär keine Galerie geben.
00:16:50: durft hat man dann sozusagen so Dann gab es eine private Lesung, das war dann alles immer im privaten Bereich.
00:16:59: Aber die waren trotzdem so gut besucht dass es dann mehr Public War oder Theaterfinderstadt oder es war.
00:17:05: ein gutes Beispiel ist mein Galerist der sozusagen in seiner Wohnung später in einem Ateliergebäude von dem Künstler unter dem Vorwand, dass das Atelier jetzt gerade mal einen Monat mit einem anderen Künstl gehört bzw.
00:17:21: eine Art von Galeriebetrieben hat durfte man einfach nicht so nennen.
00:17:25: Deswegen war das alles immer miteinander so eng verwurben.
00:17:29: Verstehe?
00:17:29: Und dann gab es diese Tradition, dass immer zur Eröffnung Musik war.
00:17:35: Das war vollkommen normal.
00:17:36: Ich glaube aber ... das war jetzt nicht so östspezifisch.
00:17:41: ich glaube wenn man in die achtziger Jahre
00:17:44: nach New York
00:17:44: guckt oder West-Berlin oder so, da gab's immer eine Art von performativen Elemente zur Eröpfung.
00:17:52: Ja!
00:17:52: Das war völlig normal.
00:17:54: Ich würde jetzt mal behaupten, dass ich sogar so eine Art kleiner Renaissance wieder sehe manchmal.
00:17:59: Okay.
00:17:59: Er
00:18:00: war neulich im Hochbau schon im Haus, wo zum Beispiel dann noch zu euch schon eine Band gespielt
00:18:03: hat.
00:18:04: Also das ist jetzt auch nicht ganz weit auseinander.
00:18:08: Dann habe ich gelesen du hast deine erste Ausstellung mit Fünfzehnsechzehn gemacht die natürlich dann auch nicht so genannt wurde Ausstellung?
00:18:15: Doch!
00:18:15: Die wurde gruselweise so genannt weil es gab eine Galerie... Das war der Volkskunstgalerie.
00:18:22: Das heißt, da wurden Künstler ausgestellt die Volkskunstmachten.
00:18:27: Und da dieser Begriff Volkskunst... Da wird man jetzt vielleicht am Fuße des Erzgebirges großwächst, dann denkt man so an gestützten Holzfiguren oder geklöppelten Arbeiten.
00:18:40: Geflügeltes Jahresendfigur?
00:18:43: Diese Galerie wurde irgendwie umgestrickt in Avantgarde-Kunst.
00:18:48: Also da haben tolle Leute ausgestellt!
00:18:51: Und in dem Neuma-Block, in dem ich groß geworden bin, arbeitete eine Frau, die wiederum meine Mutter kannte.
00:18:59: Meine Mutter hat damals sich extrem interessiert für Karamik.
00:19:05: Heute war noch so ein Karamikk workshop der dort angeboten wurde und sie haben sich irgendwie unterhalten dass ich die ganze Zeit irgendwie nie raus gehe und da ist jetzt die ganze zeit Zeichne.
00:19:18: Und dann sind die heimlich mal in einen Kinderzimmer gegangen und haben Zeichnungen ausgesucht.
00:19:25: Da hatte ich mit meinem Bruder zusammen, da hatten wir die ganze Galerie bekommen.
00:19:30: Das war so eine Galerie Hermannstraße, hieß sie... ...und auch zur Eröffnung.
00:19:36: Da hat damals ein relativ bekannter Politiker geworden ist, aber der hat damals die Ursonate von Grutschwitters gelesen zum Beispiel zu eröffnen.
00:19:47: Das waren so die ersten kleineren Ausstellungen.
00:19:53: Und dann schwappte das in diese Szene hinein, dass du in so Wohnungsgalerien begonnen hast auszustellen oder eben so alternativen Spaces – Offspaces wird man heute sagen – wird oft so als Underground beschrieben.
00:20:08: Wir haben ein bisschen Probleme mit diesen Begrifflichkeiten aber es waren halt Orte wo die Leute ihre eigene Wohnung komplett leer geräumt haben.
00:20:17: also bringe ich der Stand gar nichts mehr drin Und die haben dann in der Ecke noch eine Matratze gehabt und haben dann sozusagen ihre Wohnung mehr oder weniger zur Galerie gemacht.
00:20:26: Ja!
00:20:26: Und da gab es einige, und da habe ich dann ausgestellt obwohl ich eigentlich parallel dazu studierte und zwar Landschaftsaustekturinteristen.
00:20:38: aber ich hatte damals schon diese Ausstellung.
00:20:40: Warum Landschaftsarchitektur?
00:20:43: Wir wussten ja... Teenager und sehr zeitig entscheiden, was wir später werden wollen.
00:20:52: Also das war ein extrem hoher Druck.
00:20:55: als Junge war der Druck noch ein bisschen größer weil wenn du dich nicht sofort für irgendwas vernünftig ist was zur Start irgendwie okay fand oder brauchte gerade Wenn Du Dich nicht entscheiden konntest dann würde dir sozusagen an Dinge ans Herz gelegt die du nicht wolltest.
00:21:13: Also das wäre dann auch eine Karriere bei der Armee gewesen zum Beispiel.
00:21:19: Der Druck war extrem hoch, also musste man sich relativ schnell entscheiden.
00:21:23: Ich wusste damals ungefähr was mich interessiert, mich halt halt Natur sehr interessiert Biologie hat mich super interessiert Mich hat so kreatives Arbeiten interessiert zeichnen ich würde das gar nicht so beschreiben dass mich bildende Kunst so stark interessierte.
00:21:40: Es war eher mehr so ne Mischung was mich interessant hat.
00:21:44: Und da ich der festen Überzeugung war, dass man Kunst nicht studieren darf.
00:21:49: Wenn man ein bisschen älter ist ... War klar, dass ich dann erst mal was anderes studiere.
00:21:56: Was hatte das mit dem Alter zu
00:21:58: tun?
00:21:58: Ich hab nie darüber nachgedacht.
00:22:00: Ich dachte, man kann nur Künstler werden, wenn man etwas ärter ist.
00:22:02: Vielleicht waren die, wo kanntest du
00:22:05: älte?
00:22:06: Ja!
00:22:06: Also, ich dachte, wir können keine Kunst machen ohne Lebensaufwand.
00:22:09: Okay ja...
00:22:11: Aber ich wollte ja auch keine Kunst studieren, weil das war so in irgendwelchen Kulturschulen.
00:22:15: Was da passierte waren wirklich so klassischer und sozialistischer Realismus überwiegend.
00:22:20: Das brach dann in den Achtzigern schon auf aber es war trotzdem ganz schön, noch unter Kontrolle würde ich sagen.
00:22:27: Dann gab's ein Buch, das war sehr lustig.
00:22:29: Es gab'n Buch was welche Studien alle in der DDR existieren Und das habe ich mir durchgelesen.
00:22:36: Und dann bin ich bei Landschaftsarchitekturen hängen geblieben Weil ist für mich am exotischsten lang Und hab dann genau mit der Wende in dem Jahr, wo diese politischen Vereintrungen stattfindet.
00:22:49: Wenn das ein Jahr später gewesen wäre, hätte ich den Abschluss gar nicht mehr machen wollen.
00:22:54: Verstehe aber du findest es gut?
00:22:57: Es war auch die Ansage meinen Eltern gegenüber.
00:23:00: Ich schießt das Studium ab und dann mache ich das was ich will.
00:23:06: Du bist nach der Wendel ziemlich schnell nach New York.
00:23:10: Mit welcher Erwartungshaltung?
00:23:11: Was hast du da gemacht, was hast du dir erhofft und kam es dann so?
00:23:16: Ja jetzt gab's zwei große Affinitäten.
00:23:19: Das war ja schon zu Ostzeiten wahnsinnig affin für japanische Gärten Und hab ja alles aufgesagt, was ich da an dem Zusammenhang finden konnte Und es gab natürlich auch einen riesen Interesse an vielleicht durch diese Sammelbecken New York, wo ich denke das war so einer der wichtigsten Kunstzentren der Achtziger und Frühen Neunziger.
00:23:49: Vielleicht bis in die Zwei Tausende, aber ich will das fast gehen.
00:23:52: Oder mal so Mitte der Neunzeiger kippte das dann rüber zu Berlin, aber das war schon das EP-Zentrum New York wenn man was mit Bildern und Kunst oder Musik zu tun haben wollte.
00:24:03: Und das wolltest du.
00:24:04: nun, da du deinen Eltern ja...
00:24:06: Ich war ja frei und ungebunden und es kam noch dazu, dass Judy auch eine Idee hatte, in der Deplanation New York aufzumachen.
00:24:14: Judy
00:24:14: Lübcke
00:24:15: von
00:24:15: Eigen- und Arzt?
00:24:16: Ja, Eigen-Nord!
00:24:17: In der Zeit habe ich dann wahnsinnig viele Leute in New York kennengelernt und dann bin ich da irgendwie hängen geblieben.
00:24:23: Aber warst Du wie du dachtest, dass es sein
00:24:25: würde?!
00:24:26: Ich hatte ja keine Erwartungshaltung.
00:24:29: Ich weiß noch, damals glaube ich in Newark angekommen.
00:24:33: Und da, also wer stimmt, viele kennen das und damit ein Taxi reinfährt, fährst du ja durch so eine Art apokalyptisches Wasteland mit Fabrikalen und was der nicht genau weist.
00:24:46: Was sinken die gerade in so einer Art Zumpf hier?
00:24:50: Ist hier irgendwie ne Bomp, aber explodiert!
00:24:52: Das sah aus, das sah noch schlimmer aus als in Chemnitz.
00:24:57: Und dann hab ich noch gedacht, was geht denn hier?
00:24:59: Dann haben wir am Anfang im East Village gewohnt und später in Brooklyn.
00:25:06: Williamsburg war aber nicht das Williamsburg, was es jetzt ist.
00:25:08: Es war damals wirklich ein extremer Rafferbezirk.
00:25:12: Da lebten nur Pullen!
00:25:14: Und die alle aus Osteuropa, also von der ungehörigen Dichte Menge von Osteeuropäern.
00:25:20: Ich glaube ich habe irgendwann mal zu Olaf gesagt, hier ist mehr Osten als im Osten wurden gerade ... Die Gewerbegebiete gebaut am Rande der Stadt und alle ströpfen sozusagen in die Shopping-Tempel.
00:25:34: und dort bist du angekommen und hattest osteuropäische Kultur jeden Tag weil du einfach deinen Frühstück, unser Frühstückslasen oder Dessert hieß?
00:25:44: Olaf ist dein Bruder?
00:25:46: Mein Bruder, ja.
00:25:47: Und ich war ganz froh... Also für mich war das eine echte Befreiung dort zu sein weil es waren extrem multikultureller Entwurf als Stadt.
00:26:00: Ich war ein bisschen satt von dieser Ost-West Diskussion.
00:26:05: Ich hatte so das Gefühl dass mich das aufhält
00:26:08: Kommt nichts bei raus mit anderen Worten, oder?
00:26:11: Ja, ein.
00:26:12: Vielleicht war es auch eine gewisse Art von ... fehlt im Jahr eine Zeit zu reflektieren, warum sprechen hier alle so schlecht übereinander?
00:26:21: und ich wollte da nicht miteinsteigen.
00:26:24: Mir war das auch zu anstrengend und zu Deutsch.
00:26:26: Ich dachte so, warum würdest du dich damit beschäftigen, wenn du erst mal in deinem Leben die Welt sehen kannst?
00:26:32: Ich mach alles andere aber ich wär jetzt mal Deutschland ... Ich wär jetzt schön reisen!
00:26:38: Warst du damals sehr selbstbewusst?
00:26:41: Gute Frage.
00:26:42: Dass du wusstest, das bin ich und das möchte ich sein und nicht ...
00:26:46: Ich wusste ... Ja!
00:26:47: Also in dem Sinne ja, hat sich auch damit was zu tun, dass wir sozusagen selbstbewusster sein mussten.
00:26:54: Weil wenn du nicht selbstwusst bist im Sinne von, dass du wüsstest, was du wolltest, warst du halt extrem angreifbar, dass jemand dich beeinflussen wollte.
00:27:06: Dadurch waren wir, war das immer sozusagen die bessere Wahl.
00:27:10: Wenn du auch nicht genau wusstest, ob sie wirklich so ist zu sagen, ich will das.
00:27:15: Verstehe
00:27:15: ja!
00:27:15: Ansonsten kommt da jemand, der sagt, du willst das?
00:27:18: Insofern war es vielleicht eine Art von Selbstbewusstsein.
00:27:20: Das war aber nicht dass selbstbewusst sein was der Westen als selbstbewusster verstanden hat.
00:27:27: Das sind noch eine Art Vonwusstsein.
00:27:28: Also sich selbst loben und sich selbst aufwerten nach Hause, das kannte mir alles nicht.
00:27:35: Das war klar, dass man das nicht macht.
00:27:37: Jetzt wusstest du?
00:27:39: Da und da will ich sein!
00:27:41: Das möchte ich nicht hören, darüber möchte ich nichts reden... ...das möchte ich machen.
00:27:45: Wann kommt der Punkt an dem man sozusagen das was man will dann überführt in eine Beschäftigung mit der man seinen Leben bösstreiten kann?
00:27:53: Ja, das Wort ist, das war ja glücklicherweise relativ easy.
00:27:57: also bei dem Moment wo ich das Studium abgelegt hatte konnte ich ja mich freischaffen werden.
00:28:02: Also ich brauche dir auch keine Vorerlaubnis mehr, wie im Osten dass du sozusagen so einem Künstlerverband angehörst um Kunst zu machen sondern das war ja absolviert.
00:28:10: Das heißt ich habe mir schon einen Steuernummer beantragt und war Künstlern.
00:28:14: Das wars!
00:28:16: Du musst dazu sagen parallel zu diesem New York Aufenthalt hat... also ich bin ja gependelt.
00:28:20: Ich hatte noch ein Atelier in Berlin Und ich hatte noch in Chemnitz ein Riesenatelier eine Riesenwohnung.
00:28:28: zusammen mit Freunden haben wir noch ein Projekt gegründet, was so eine Mischung war aus Galerie Space, Atelier Space, Kino, Bar, Party, Experimentierort für Ballett oder Theater wie gesagt.
00:28:45: Für
00:28:46: alles halt?
00:28:46: Die
00:28:46: heißt mal wirklich ein echt multikultureller Ort und den haben wir selber gegründet.
00:28:52: Das ist dieses Box?
00:28:53: Ja, das ist das Box!
00:28:55: Also ich versuche jetzt ja gerade auch schief ein bisschen zusammenzusammeln weil wir alle denken dass es eine extrem wichtige Zeit war und ich glaube in derzeit bin ich dann in so einer Art Sinnkrise auch geraten, dass ich eigentlich von so stabilen Medien gerne in so eine Art Innenstabilität gehen will.
00:29:15: Dass sich ein bisschen rausweilt aus der klassischen Produktion dass du als künstler, als visueller Künstler sozusagen immer Dinge erschaffst.
00:29:24: Ich wollte viel effemärcher sein also diese Prozesse mehr zu sehen sind.
00:29:30: Diese zwischenmenschliche Beziehung das du mit Leuten zusammenarbeitest oder also dieser Begriff hat da was Boys vielleicht jetzt so die soziale Plastik zum Beispiel Das fand ich auf einmal einen ganz tollen Begriff.
00:29:41: Der hat mich mehr aufgefallen als die Begriffe die ich davor hatte.
00:29:46: und in der gleichen Zeit In der Sinnkrise habe ich angefangen, mich mit Sound zu beschäftigen.
00:29:55: Aber ich sage jetzt bewusst Sound weil ich überhaupt keinen Interesse an Musik hatte.
00:30:00: Sondern ich habe mich wirklich eigentlich nicht mit Musik beschäftigt sondern mit technischen Tönen was die psychologisch bei uns machen... Du hast gefragt!
00:30:10: ...mit Selbstexperimente.
00:30:13: Also ich glaube dann so zwei Jahre später habe ich dann realisiert, dass ich eigentlich das Medium gefunden hatte was mich interessierte.
00:30:19: Dass die ganze Zeit damit schon arbeite.
00:30:22: Das ist nicht ein radikaler Schnitt gewesen sondern es war so eine ganz langsame Metamorphose mit der Musik... also bei dem Moment wo ich Musik machte hatte ich ja dann auch das Verzeudonym gewählt.
00:30:33: Das war am Anfang so einen Schutzmechanismus, dass niemand weiß, dass Ich das bin.
00:30:36: Dann ist noch mal obwohl es sehr bekannt wird.
00:30:38: Alvanotto?
00:30:39: Also am Anfang war's Noto und dann später Alvanoto Nach dieses Label No-Toon gegründet, also das war am Anfang schon... Also Not On oder No-toon?
00:30:52: Kennst
00:30:52: du?
00:30:54: Du bist eben nicht nur was die bildende Kunst in die es ja dann auch irgendwann morpht und mit der sich das verbindet.
00:31:01: Autodidakt sondern auch in Sachen Sound!
00:31:04: Ja Wie hält man da technologisch Schritt?
00:31:10: Die Schwelle für elektronische Musik ist extrem niedrig.
00:31:14: In dem Moment, wo du ein Computer hast, hast du ja sozusagen alle Tools.
00:31:18: Das heißt die technologische Schwelle ist extrem niedrig, ist extrem demokratisch was natürlich auch dazu geführt hat das so eine starke Bewegung ausgelöst hat.
00:31:32: Dazu kam der Berlin.
00:31:35: Berlin als Stadt aufgebrochen war, die war sozusagen ... Das war unbeschrieben.
00:31:42: Man gab es dieses Vakuum und auf einmal konnte man extrem viel in diese Stadt neu einschreiben.
00:31:49: Muss ich auch vorstellen das waren Riesenmetropole, die de facto leer waren.
00:31:54: Was es wirklich in Berlin gab am Anfang war Platz.
00:31:57: Einfach um zu sein?
00:31:58: Um zu arbeiten?
00:31:59: Ja aber der Platz war eben auch in den Köpfen glücklicherweise da.
00:32:03: Und es waren glücklerweise Leute, Ideen hatten, wie man das filmen könnte.
00:32:08: Also genug crazy Ideen und dann wurde es später ja nach dem Sammelbecken und auf einmal war's natürlich in einer von Künstlern oder kreativen Beherrschte Stadt.
00:32:18: Ich glaube ist relativ historisch einmalig dass so eine Riesenmetropole mehr oder weniger dominiert wird von der so kreative Kunstszene oder dass irgendwie der kommerzielle Aspekt da den Vordergrund gerückt ist.
00:32:32: Stimmt!
00:32:32: Also New York war, dass sich schon eine ganz große dichte Kultenszene.
00:32:37: aber der kommerzielle Aspekt war, lief Parallel dazu.
00:32:41: Genau!
00:32:41: Und das fand in Berlin nicht statt.
00:32:43: Das ist heute
00:32:45: relativ...
00:32:47: Ja du machst es ja für alle Wissen Das war ja auch eine Projektion, ob das jetzt mal kommt oder nicht.
00:32:53: Das Einzige, was jetzt wirklich gekommen ist, dass die Preise sich verändert haben und vielleicht dieses großartige Vielplatz haben jetzt so, dass es eben schwindet.
00:33:02: Aber das ist natürlich auch zwanzig Jahre, dreißig Jahr.
00:33:06: Ist klar, dass sich ändern wird.
00:33:11: Jetzt Pendels zu zwischen oder reißt durch die ganze Welt wahrscheinlich und Pendels zwischen New York und Berlin als Wohnort.
00:33:19: In New York hat sich dann zweitausend erledigt gehabt, da war dann auch persönlich, gab es einen Bruch ... Und zwei tausend wurde das Wochenbissen ungemütlich.
00:33:32: Wurde ich jetzt mal so netterweise sagen, also ich weiß noch kurz in San Francisco brauchen, dort kommen Blase da reinschwappte und die Preise sich vor allem innerhalb von drei Monaten, vierfachen für alles.
00:33:45: Da wusste man okay als Künstler kann sie das nicht mehr sterben.
00:33:50: Obwohl du schon glaube ich ziemlich großen Erfolg hattest in den nullerjahren.
00:33:55: Dokumenta war es schon gewesen oder?
00:33:58: Wann hast du
00:33:58: auch
00:33:59: der Dokumentar?
00:33:59: Dokumente war dann schon, aber das Dokument hatte nicht unbedingt was mit, sofern mit kommerziellen Erfolg zu tun.
00:34:06: Das waren ja mehr Reputationen, glaube ich, am Anfang.
00:34:09: Wann kam der kommerzielle Erfolg?
00:34:12: Das ist jetzt eine gute Frage.
00:34:15: Was war?
00:34:15: glücklicherweise konnte ich eigentlich vom Tag eins an von meiner Kunst leben.
00:34:21: Super!
00:34:22: Wenn du beginnst in deiner Kunst zu leben, ist es ja so ... Es geht nicht nach oben immer alles.
00:34:27: Das ist ja auch kein Sprint, sondern eher eine Macherton.
00:34:31: Den du hier läufst.
00:34:33: D.h.,
00:34:33: du weißt immer nie ganz dem... Wenn du finanziell erfolgreich warst hast du den finanziellen Erfolg nie vertraut.
00:34:41: Sondern du hast immer gedacht okay, versuch dich so aufzustellen.
00:34:45: Also ich habe immer ausgerechnet ungefähr jetzt hab' ich noch so acht Monate entspannt.
00:34:51: Damals mal zwei, damals mal einer.
00:34:53: also das ist ja immer in Wellen.
00:34:56: aber Es war jetzt nie so, dass das jetzt durch die Auktionsdecke gegangen ist oder ... Das war glücklicherweise ... bin ich da verschont geblieben.
00:35:09: Auch von dem Gefühl?
00:35:11: Von einem Schwindel mal kurz?
00:35:13: Oh Gott!
00:35:13: Ich hab's einfach geschafft.
00:35:16: Das Gefühl hat es ja nie.
00:35:18: Das ist immer noch Luft nach oben.
00:35:20: Jetzt bist du für
00:35:21: den Oscar mitnominiert, glaube ich.
00:35:23: Wir hatten ihn auch nicht gewonnen, weil das war das gleiche Jahr, wo er zuerst einmal überhaupt ein Rikomorekone
00:35:30: hat.
00:35:30: Ach so?
00:35:31: Der war die Konkurrenz?
00:35:32: Das wäre der Konkurrent und den hätte man nicht geschlagen.
00:35:35: Also, da hätten wir den nicht bekommen.
00:35:37: aber... Wir müssen
00:35:38: den glaub' ich mal nennen!
00:35:40: Also der Revenant.
00:35:41: Mit
00:35:42: Leonardo DiCaprio.
00:35:45: Und
00:35:46: dann, wo ich dann zurückkam Es gab beides.
00:35:50: Es gab natürlich einen extremen Respekt, aber mit dem Erfolg kommt leider auch Missgunst.
00:35:55: Die merkt man dann schon?
00:35:56: Ja
00:35:57: die merkste deutlicher
00:35:59: Zuhause?
00:36:00: Ja so ein bisschen... Da gab es ein paar Weggefährte, die sich da verloren haben.
00:36:06: Das ist bitter!
00:36:07: Also das ist normal.
00:36:09: Die guten Freunde bleiben die guten Freunde
00:36:11: Und du hast immer dein Bruder
00:36:13: Und mit meinem Bruder ist ja noch mal was anderes.
00:36:16: Ja, so.
00:36:18: Weil wir sind eher sozusagen ... Wir reiben uns andern sehr gerne.
00:36:24: Ihr seid jetzt beide Professoren?
00:36:26: Ist er auch Autodidakter eigentlich?
00:36:29: Er lehrt in München?
00:36:30: Nein, der lebt in Berlin.
00:36:32: Nee, er
00:36:33: lehrte in Münchens.
00:36:34: Korrekt!
00:36:35: Und du in Dresden?
00:36:36: Ich in Dressen.
00:36:37: Er hat jetzt über zehn Jahre oder ist noch ein bisschen länger.
00:36:41: Was das angeht... Du hast großen Erfolg als Künstler, als bildender Künstlern, als Musiker.
00:36:47: Du hast nicht nur Erfolg, sondern du hast auch sehr viel Respekt den Leuten dir entgegenbringen.
00:36:54: So eine Professur ändert die dann noch mal was?
00:36:56: Ist man dann nochmal entspannter weil man sich sagt ...
00:36:59: Nee, nee.
00:37:01: Ich hab immer ein bisschen Schwierigkeiten gehabt, weil ich am Anfang immer dachte okay das klingt ja ganz nett, arbeiten wir mit jungen Menschen zusammen kannst du was zurückgeben, hast du auch Erfahrungen, die du teilen kannst.
00:37:16: Was du vergisst ist dass du eine Institution bist und dass da auch institutionelle Hierarchien existieren und das dieser Professortitel gesellschaftlich extrem stark aufgewertet ist.
00:37:30: also wir benutzen den jetzt nicht.
00:37:33: Der sagt kein Wort.
00:37:34: Oder kommt er ja Professor?
00:37:35: Es
00:37:36: sei ... Ja, genau!
00:37:37: Also es wurde eher so mehr als Joke manchmal gesagt.
00:37:40: Professor... Aber es gibt halt auch ein Bild nach draußen, die ich jetzt nicht so gut kenne.
00:37:46: Wo du merkst, du hast dann irgendwie eine andere Gesellschaft wahrgenommen, wenn jemand so eine Biografie vorliest.
00:37:52: Da denke ich immer so naja bin das wirklich?
00:37:54: Ich stand nie auf Status-Symbolen aber es ist natürlich ein Status- Symbol.
00:37:59: Klar.
00:38:00: Eines der größten wahrscheinlich
00:38:02: Ja, ich hab's ja gerne angenommen deswegen.
00:38:04: Weil ... Ich als Riesenkompliment empfinde das ich aus so einer schwierigen politischen Situation autodidaktisch und jetzt nicht eine akademische Laufbahn einschlagen auf einmal Professor bin.
00:38:22: Dachte, eigentlich ist es doch ne schöne Geschichte für Leute, wo man sagt, es ist möglich?
00:38:29: Genau!
00:38:30: Das war, ja, was ich dachte.
00:38:31: okay cool
00:38:33: Karsten, woran arbeitest du jetzt gerade?
00:38:36: Ich muss einen Vorschlag erarbeiten für eine Kunstteile im Prag.
00:38:40: Und das ist aber ein sehr interessanter Ort und der hat auch sehr viel historische Dimensionen.
00:38:45: Ich müsste da ganz schön viel lesen nochmal um irgendwie so das Gefühl zu kriegen was ich da zeigen will.
00:38:51: Was ja mal bisschen schwierig ist heutzutage weil die Budgets an den Häusern sind relativ klein.
00:38:57: Jetzt musst ihr selber aber Spaß machen.
00:38:58: Du musst auch irgendwie selber herausfordern.
00:39:03: was sein, wo du sagst okay das wird es eigentlich schon immer mal angehen.
00:39:08: Wir hatten ja kurz das Gespräch dass ich ja nicht so interessiert bin an meiner eigenen Arbeit zu reproduzieren oder ähnliche Arbeit.
00:39:16: Also ich versuche immer sozusagen irgendwie noch etwas anzugehen wo ich selber auch aus einer Konfortzone rausgehen muss.
00:39:23: Weil es Spaß macht einfach?
00:39:25: Ja es macht nicht Spaß.
00:39:26: nee Du denkst extrem anstrengend.
00:39:30: Ich würde mir wünschen, dass ich ein bisschen einfacher bin manchmal.
00:39:34: Weil ich halt nicht jedes Mal irgendwie mich so eine Challenge, aber irgendwie gibt es sowas in mir.
00:39:42: Es gibt wahrscheinlich vielen Künstler oder Kreativen.
00:39:45: Sobald dir das zu einfach erscheint, findest du's nicht so interessant.
00:39:49: Aber das ist nicht unbedingt entspannbar.
00:39:51: deswegen!
00:39:54: Dann stelle ich dich jetzt mal Karsten, zwei ganz entspannte Fragen die wir ja in diesem Podcast jedem Gast stellen so auch
00:40:01: dir.
00:40:03: Und die erste lautet wenn ich dir einen Kunstwerk schenken würde und du dir jedes aussuchen könntest was auf dieser Welt existiert welches würdest du dann gerne haben?
00:40:13: Ja wo ich das erste Mal auf einer Kunstmesse war überhaupt.
00:40:19: Das war glaube ich Frankfurt bin ich erfolgreich umgefallen weil Alle diese Kutztwerke, die da an der Wand hingen, also vor allen Dingen so klassische und moderne, nie im Privatbesitz sein durften.
00:40:33: Die zweite so wichtige Arbeit war mir vollkommen klar, dass sie alle in dem Museum sind.
00:40:40: Und da gab es eine Arbeit, die habe ich gesehen ... Das war ne sehr schöne kleine Zeichnung.
00:40:46: Ich mag irgendwie Zeichnungen.
00:40:48: Also ich mag gar nicht so Riesen oder große Arbeiten und mal rein.
00:40:51: Jetzt glaub' ich auch gar nicht.
00:40:52: So, ich mag irgendwie ein leichtes Format.
00:40:55: Du hast eine Picapia-Zeichnung, und ich mochte Picapias sehr ... Den kriegst du dich ganz zu fassen.
00:41:03: Du kannst dich da wirklich lange mit ihm beschäftigen.
00:41:06: Und ich glaube das wechselt doch immer mal so was?
00:41:09: aber ich glaube es wäre also eine ganze kleine Zeichnung mit einer schönen Silhouette von der Figur.
00:41:14: Die kannst du nicht vergessen?
00:41:16: Nee, da hab' ich auch nach einem Preis damals gefragt und war vollkommen baff, dass die den Preis hat weil für mich war Kunst unbezahlbar.
00:41:25: Aber nach dem Preis hast du trotzdem gefragt.
00:41:26: Ja,
00:41:28: es war ja eine Kunstmesser.
00:41:29: also insofern die wollten ja dort verkaufen und doch nicht okay, also offensichtlich hat das hier einen Preis.
00:41:34: Klingt jetzt ein bisschen so wie ein Klischee der Künstler aus dem Osten stellt fest dass für uns gab's ja keine... Ich finde das kein Klischees!
00:41:43: Also es gab ja nicht wirklich ein Kunstmatel im Sinne her.
00:41:46: Was hat die denn damals gekostet?
00:41:48: Das waren glaube ich siebzig tausend Jahr.
00:41:52: Und allerletzte Frage, Kasten.
00:41:54: Auf der Welt!
00:41:55: Du bist ja sehr viel gereist.
00:41:57: Welches ist oder war da dein Lieblingsmuseum?
00:42:00: Als ich Student war und den Dresden angefangen habe, gab es ein ganz kleines Museum.
00:42:07: Das war auf der Grundstraße in Dresen, das heißt Leonati-Museum.
00:42:12: Ich bin dort wahnsinnig gerne hingegangen.
00:42:14: Das Haus ist von außen, wo wir das nie denken, dass da innen eigentlich so ein Raum, der besteht nur aus Wänden und einem Oberlicht.
00:42:25: Um die Ecke war dieses Künstlerhaus, wo Hermann Klöckner gewohnt hatte... ...und ich fand es einen Ort, der mich irgendwann aufgefangen hat.
00:42:34: Ich konnte mich da immer einsetzen und habe mich total wohl gefühlt,... ...weil er auch eine gute Dimension hatte!
00:42:39: Da war es nicht so groß und nicht zu klein.
00:42:41: Und ich kenne die Frage wahrscheinlich anders beantwortet, wenn du mich gefragt hast welcher Arbeit in den Museum.
00:42:48: Dann hätte ich wahrscheinlich gesagt die Hand von Rodin, die im Museum in Chemnitz ist oder so.
00:42:52: aber ... Wenn du sagst Museum dann denk ich immer erst mal an Architektur.
00:42:57: Und da denke ich dann wieder an Räume vollkommen anders.
00:43:00: und da gibt's ein paar Räumen, die auf der Welt dich ewig verfolgen werden.
00:43:05: und das ist einfach sowas wie Spantheon Ein Ort, wo du sagst das ist einfach ein Raum, der so ikonographisch oder so fundamental.
00:43:19: Wenn du den einmal siehst dann geht er nicht wieder aus deinem Gedanken raus.
00:43:23: Das
00:43:23: stimmt!
00:43:25: Das hast du jetzt wahnsinnig schön und anders als alle hundertdreißig Interviewpartner.
00:43:29: vor dir waren nur die Fragen nach dem Museum.
00:43:33: Karsten ich danke dir sehr für dieses schöne Gespräch.
00:43:36: Ich bedanke mich
00:43:36: auch Das war Folge hundertdreißig von Die Sucht zu sehen.
00:43:43: Wir danken fürs Zuhören, freuen uns schon wieder auf unsere nächsten Gäste und natürlich auf Sie in zwei Wochen neu auf kriselbach.com und überall wo es Podcasts gibt!