DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

DIE SUCHT ZU SEHEN. Der Grisebach Podcast

Der GRISEBACH-Podcast mit Rebecca Casati

Transkript

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00:00:05: Dieses über die Grenzen hinaus schauen und zu schauen, in welche Richtung haben wir vielleicht bisher noch gar nicht so gesehen.

00:00:10: Das ist zum Beispiel etwas was mich sehr interessiert.

00:00:17: Herzlich willkommen in Folge hundertdreißig von dieser Zusehen dem Grisebach Podcast!

00:00:22: Alle zwei Wochen sprechen wir hier mit Menschen, die etwas in der Kunst oder Übersee zu sagen haben.

00:00:29: Jeder Berliner kennt alte nationalgalavienes architektonische Kleinohnt auf der Museumsinsel, das etwa zweitausend Gemälde und nochmal ebenso viele Skulpturen beherbergt.

00:00:40: Kommende Woche eröffnet dort eine neue Ausstellung.

00:00:43: wie handelt von Paul Kassira, der einer jüdischen Unternehmerfamilie entstammte und Kunsthändler war.

00:00:49: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war mitverantwortlich für den Durchbruch des Impressionismus in Deutschland, indem er Künstlern wie Van Gogh, Renoir oder Monet das erste Mal eine breite Bühne in Deutschland bot.

00:01:02: Die Direktoren der alten Nationalgalerie.

00:01:04: Annette Hösch erzählt uns heute warum wir die Ausstellung über ihn seine Künstler und seinen Einfluss auf gar keinen Fall verpassen sollten.

00:01:11: Herzlich willkommen bei Diesort zu sehen!

00:01:14: Ja

00:01:14: danke Rebecca.

00:01:21: Liebe Annette Hösch, ich darf dich kurz vorstellen.

00:01:24: Du kommst aus Hannover, bist Kunsthistorikerin hast in Karlsruhe studiert und leitest seit März zwanzig fünfzwanzig als Direktoren die alte Nationalgalerie in Berlin.

00:01:34: Wie würdest du das Haus denn einem Nicht-Berliner beschreiben?

00:01:38: Ich würde sagen dass Haus liegt an einem der schönsten Orte in Berlin umgeben von den Kulonaden großen hohen Säulengängen, die das Haus um Schlingen umfassen mit einem wunderschönen Garten.

00:01:51: Es ist ein sehr verzauberter Ort, ein sehr friedlicher Ort und in diesem Gelände erhebt sich ein tempelartiger Bau der durchaus auch einschüchternd wirken kann mit großen Freitreppen den aber die Besuchenden durch die sogenannte Kutscheneinfahrt betreten im Inneren, wie sie auch schon im Äußeren empfangen worden sind in einem Universum des langen neunzehnten Jahrhunderts also bis in das frühe zwanzigste Jahrhunderte hinein zu landen.

00:02:25: Das Haus zeichnet sich aus durch sehr unterschiedliche Atmosphäre.

00:02:29: Und wenn ich das noch kurz ergänzen darf, weil ich glaube dass zeichnete auch diesen Ort aus für mich ist die alte Nationalgalerie insgesamt ein Kunstwerk, einen Baukunstwerk in dem Kunst-Tafelbilder und Skulpturen zu sehen sind aber insgesamt durch eine ganz besondere Atmosfiere die Gäste für sich einnimmt.

00:02:52: Welches sind deine zentralen Aufgaben?

00:02:55: Max Hollein hat mal sehr schön gesagt, ein Museumsdirektor ist immer auch der oberste Hausmeister und das beschreibt vielleicht die Vielfalt der Aufgaben.

00:03:06: Natürlich ist die Direktorin zuständig für die Programmplanung.

00:03:11: Sie ist zuständig dafür, Leitlinien, Leidplanken zu entwickeln.

00:03:17: Die Kuratorinnen und alle anderen die hier im Hause arbeiten inspirieren und animieren gemeinsam für das Gelingen der Sache zu arbeiten.

00:03:28: Sie ist natürlich für das Personal zuständig, für alle Personalfragen, für die Frage wie wir unsere Gelder akquirieren?

00:03:37: Wie wir immer weitere Publika... animieren können, den Weg zu uns eben in diesen erhabenen Tempel zu finden.

00:03:46: Ich glaube es sind sehr viele Querschnittsaufgaben aber im Zentrum steht die Liebe zur Kunst und die Überzeugung dass all das was wir tun Sinn hat Menschen an die Kunst

00:03:58: heranzuführen.".

00:04:09: Ganz besonders interessiert mich der ungeheure Facettenreichtum der Geschichte des Neunzinten, und wir sagen hier immer das lange Ninzehnte Jahrhundert sozusagen von der französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg.

00:04:22: Also diese großen Zeiten wenden die... dort stattgefunden haben mit dem Herausbilden des Deutschen Reiches, des deutschen Kaiserreichs.

00:04:32: Mit den widerstrebenen Kräften innerhalb einer Gesellschaft die durch Industrialisierung, durch den Fortschritt der technischen Medien, durch die umstürze politischer Systeme in ganz großer Aufruhr und einem atemberaubenden Fortschutz-Tempo unterwegs war Und diese Facetten sich ja alle gezeigt haben, auch in dem was da künstlerisch sich entwickelt hat.

00:04:56: Oft parallel oft im Widerstreit zueinander sich herausgebildet hat.

00:05:01: und das sind in ganz vielen Aspekten Themen die uns bis heute beschäftigen sowohl was künstlärische Entwicklungen angeht aber auch in der Frage wie das künstlersche Ausdruck von gesellschaftlichen Prozessen ist.

00:05:16: Die Künste sind ja immer auch seismografisch zu sehen und zugleich ist das seismografische auch oft zwischen den Dingen zu finden, auch in den widerstreitenden Kräften.

00:05:27: In den Spannungsverhältnissen.

00:05:29: Und dass es im neunzehnten Jahrhundert auf herausragende Weise zusehen und ist eben ganz eng verbunden mit Fragen die uns heute beschäftigen – und das finde ich ungeheuer spannend.

00:05:42: Beschreib' uns doch bitte den Prozess der Themenfindung für neue Ausstellung!

00:05:46: Da gibt es sehr unterschiedliche Zugänge.

00:05:49: Manchmal gibt es Themen, die schon lange in der Luft liegen für ein Haus oder eine Sammlung oder auch ganz übergeordnet.

00:05:58: Manchmal gibt es Ideen zu einer Kooperation.

00:06:02: Manchen Mal gibt das aber auch so Programmlinien, die einen fast unwillkürlich... in eine Richtung führen, etwas zu erweitern was im Hause bereits vollzogen worden ist.

00:06:15: Im Grunde genommen mit der Gründung des Hauses also gar nicht nur national zu gucken sondern den Blick auch außerhalb eines deutschen Territoriums zu weiten das ist ja etwas was der alten Nationalgalerie sozusagen in die DNA geschrieben ist obwohl sie im Giebel der deutschen Kunst gewidmet ist.

00:06:33: und dieses über die Grenzen hinaus schauen.

00:06:37: In welche Richtungen haben wir vielleicht bisher noch gar nicht so gesehen?

00:06:39: Das ist zum Beispiel etwas, was mich sehr interessiert.

00:06:44: Es gibt ja eine enge Verbundenheit zu Frankreich und es gibt sehr viele Blicke in den Westen aber weniger Blickel vielleicht in den Osten, in den Süden oder in andere Regionen der Erde.

00:06:56: Und da zu schauen, was passiert in dieser Zeit um... ...Ninzehnhundert beispielsweise an anderen Orten.

00:07:03: Welche Funktionen nimmt die Kunst dort ein?

00:07:05: Was bildet sich dort an künstlerischen Strömungen heraus...?

00:07:08: Die hier vielleicht gar nicht unbedingt so bekannt sind aber ungeheuer spannend sind zu entdecken für uns und für Gäste.

00:07:16: Das ist etwas das mich zum Beispiel beschäftigt und es sind erst mal Linien, die heißen dass man dann weiter darüber nachdenkt was bedeutet das?

00:07:24: wie wollen wir das in Zukunft präsentieren.

00:07:27: Vieles ist aus meiner perspektive Teamleistung, wir haben hier hervorragende KuratorInnen am Haus, Bildungs- und Vermittlungskuratorinnen – natürlich die Sammlungskuratorinnen!

00:07:40: Und da gemeinsam für das Haus nach vorne zu denken, das ist etwas was ich sehr wichtig finde.

00:07:46: Kommende Woche!

00:07:47: Also, am Zweiundzwanzigsten Mai startet eine ganz besondere neue Ausstellung namens Kassira und der Durchbruch des Impressionismus.

00:07:55: Gemeint sind der Kunsthändler Paul Kassirer und der durchbrucht das Impressionismus in Deutschland den Paul-Kassirr mitgeprägt hat.

00:08:03: In deinen eigenen Worten wer war Kassier?

00:08:06: Und was hat er für seine Zeit unnötig für Berlin bedeutet?

00:08:17: den Kunstsalon Casira gegründet.

00:08:18: Bruno ging nach ganz kurzer Zeit, nach wenigen Jahren aus diesem gemeinsamen Projekt wieder raus.

00:08:23: Paul Casira führte bis zu seinem Tod, und hat auf sehr entscheidende, schnelle und qualitätsbewusste Art und Weise dort Positionen auch zum Teil miteinander gezeigt die bis dato noch nicht so bekannt waren und auch noch nicht zu gewertschätzt wurden im Verkauf, wie er das dann geschafft hat.

00:08:52: Natürlich in Verbund mit vielen Leuten ... Er war sehr eng verbunden mit Max Liebermann und vielen anderen Größen seiner Zeit aber in seinen Einzel- und auch in den sogenannten Kollektivausstellungen hatte er auch im Zusammenspiel mit dem französischen Händler Duran Ruel die Möglichkeit, große französische Namen nach Deutschland zu bringen.

00:09:16: Später dann mit Van Gogh ein bis dato hier gänzlich unbekannten Maler immer und immer wieder zu zeigen und damit eben weit mehr als ein händelisches Verkaufsinteresse zu bedienen sondern darüber hinaus tatsächlich die Kunst zu sehen zu lehren, in denen bestimmte Positionen immer wieder gezeigt wurden und zum Teil in sehr ungewöhnlichen Konstellationen um den Blick zu schärfen.

00:09:45: Noch einmal ganz kurz zurückgesprungen.

00:09:47: Zurück in Berlin hat er dann zusammen eben mit seinem Cousin – hast du gerade auch schon erwähnt – den Künstler Max Liebermann und auch Max Le Foucken gelernt?

00:09:55: Und die beiden waren so etwas wie ein Door-Opener in Berlins Gesellschaft.

00:10:00: Wie muss man sich dieses Szenerie damals vorstellen?

00:10:02: Also, was waren die Begegnungs- oder Austragungsorte.

00:10:06: Wo traf man sich ... Was waren die Protagonisten?

00:10:10: Also ganz wichtig war natürlich dieser zentrale Ort des Tiergartenviertels den wir heute so gar nicht mehr erleben können leider, den wir in unserem Katalog aber auch noch mal mit auferstehen lassen.

00:10:25: Da war

00:10:25: der Konstellant.

00:10:26: Genau, da war auch der Kunstsalon in der Victoria-Straße und drumherum lebten ganz entscheidende Sammlerinnen.

00:10:33: Wie zum Beispiel die Arnolds, die auch dazu beigetragen haben dass wir in der alten Nationalgalerie heute den Wintergarten bei uns haben.

00:10:42: Es gab also eine Szenerie und eine Atmosphäre von Menschen die sehr Kunst und Kulturaffin waren Und die sich in einem engen Netzwerk bewegten auch um die alte Nationalgalerie, damals DIE Nationalgalorie auf der Museumsinsel und Hugo von Judy.

00:11:02: Der auch durch Liebermann mit Cassira bekannt gemacht wurde – und auch unser Haus hat eben Cassira viele Ankäufe zu verdanken!

00:11:13: Und in diesem Netzwerk bewegte sich sozusagen auch die Begeisterung für diese neue Kunst, die in Berlin etabliert wurde.

00:11:24: Ob

00:11:24: Cézanne, Manet, Monet und Van Gogh das diese großen Namen heute in vielen deutschen Sammlungen zu finden sind ist insbesondere Paul Cassira zu verdanken.

00:11:33: Von den rund hundertzwanzig Werken van Goghs die sich vor dem ersten Ersten Weltkrieg in Deutschland befanden ging allein achtzig durch den Kunsthandel.

00:11:42: Paul Cassirra.

00:11:44: Lass ich!

00:11:45: Was weiß man eigentlich über ihn persönlich?

00:11:47: Was war er für ein Mensch?

00:11:49: immerhin waren ja viele Künstler wirtschaftlich von ihm abhängig.

00:11:53: Das ist natürlich, wir halten uns da etwas zurück eine wirkliche Bewertung oder... Das ist so sehr stark zum Thema zu machen, weil wir uns darauf konzentrieren möchten.

00:12:04: Zu zeigen wie Paul Kassira mit seinem Team ... Er hatte auch ein herausragendes Team, den man häufig genug freierer Hand gelassen hat.

00:12:13: Er war selbst viel auf Reisen, er war gar nicht immer in Berlin.

00:12:16: Es gab für fünf Jahre einen Kunstsalon Kassirahe in Hamburg ab dem Jahr.

00:12:22: Also er war in vielerlei Hinsicht unterwegs und hat einen Stab an Mitarbeitenden sich aufgebaut die sehr, sehr wesentlich gewesen sind auch für den Erfolg des Kunstsalons Cassira.

00:12:35: Also ich würde da ungern eine Beurteilung abgeben.

00:12:39: Er war sehr umtriebig, er war sehr schnell, sicherlich sehr strategisch aber er konnte auch Gelegenheiten schnell erkennen und darauf hinhandeln.

00:12:51: das mag nicht immer für das Umfeld das Allereinfachste gewesen sein Da halten wir uns einfach zurück.

00:12:57: Wir finden, also was wir interessant finden sind natürlich solche Geschichten wie seine Beziehung zu Karl Ernst Osthaus den Museumsgründer des Museum Volkwangen damals noch in Hagen der in Berlin unbekannt war und der nach Berlin reiste wahrscheinlich auf einen Hinweis von Henry van der Felde hin und sich in der Berliner Sezession, Paul Kassira ist ja auch zunächst Sekretär und später Geschäftsführer der Berlina Sezression gewesen.

00:13:27: Und er zeigte dort Renoir's Liese.

00:13:31: Dieser unbekannte Sammler aus Hagen-Kam sah dieses Bild und kaufte es.

00:13:37: Und nur wenig später hatte der Kunstsalon Kassiera eine Van Gogh Ausstellung im Programm Und hat tatsächlich die Werke dieser Ausstellung nahezu vollständig diesem Sammler nach Hagen geschickt, weil er nicht nach Berlin kommen könnte.

00:13:52: In der Hoffnung dass sich dieser Sammler aus dieser Ausstellung vielleicht einen Van Gogh aussuchen möge was dann auch erfolgte.

00:13:59: Cassira war also sehr klug in der Art und Weise zu erkennen neben den Protagonisten aus den Museen in Deutschland die er schon kannte.

00:14:09: Zu erkennen da ist jemand ... Der ist jetzt nicht in München, der ist auch nicht in Hamburg.

00:14:13: Hagen war bis dato nicht so auf der Landkarte aus der Berliner Perspektive, aber er hat eben ganz schnell erkannt das ist jemand der könnte sehr wichtig werden für mein Galerieprogramm und könnte ein Unterstützer der Kunst werden die ich zeige.

00:14:33: Und das sind eben Geschichten, Verkaufs- und Ankaufsgeschichten die uns natürlich ausgesprochen interessiert haben.

00:14:40: Auch jenseits dieses Berliner Zirkels der so zentral wichtig gewesen ist.

00:14:47: Cassira, das fand ich auch sehr interessant zeigte nicht nur Werke um sie zu verkaufen sondern auch zeigt auch Unverkäufliche um das Publikum zu informieren.

00:14:56: er hat also sowas empfunden wie ein Bildungsauftrag?

00:15:00: Ja!

00:15:00: Er war einen Kunstvermittler im Handelnden und im kommunikativen Sinne.

00:15:07: Und hat deshalb einerseits eben über diese Kollektivausstellungen, andererseits über das Mehrfachezeigen auch gleicher Werke – er hat zum Beispiel wenn man Van Gogh als Beispiel nimmt in dem letzten Katalog sehr freudig und stolz geschrieben, dass viele dieser Werke die nun in dieser großen Ausstellung zu sehen sind bereits einmal in Berlin gewesen seien.

00:15:33: Das war für ihn also ein gute Siegel, dass diese Werke mehrfach gezeigt worden sind.

00:15:40: Und Josefine Klinger, die Kuratorin der Ausstellung widmet sich eben auch diesen Mehrfachzeigung diesem Thema der Kollektivausstellung.

00:15:49: Also er war da sehr präzise, sehr genau mit einem hohen Qualitätsanspruch an Ausstellung, an Kommunikation und an Auswahl der Werke.

00:16:03: Er ist relativ früh und auch tragisch verstorben, erzählst du uns kurz.

00:16:07: Wie?

00:16:08: Und warum?

00:16:09: Er war ja verheiratet mit Tilla Durieux einer Größe, einer Schauspielerin.

00:16:15: Sie haben zusammen einen Salon gepflegt.

00:16:18: Sie hatten ein gesellschaftlich ausgesprochen kommunikatives Leben und Dasein.

00:16:26: Als Tilla durieux sich von ihm scheiden ließ ... verletzte er sich sozusagen im Zuge dieser Scheidung, die dann vollzogen war.

00:16:37: Selbst mit einer Schusswaffe und diesen Verletzungen ist er dann

00:16:42: erliegen.".

00:16:44: Was wurde aus seinem Kunstsalon?

00:16:46: Der Kunstsalón wurde weitergeführt von zwei sehr zentralen Mitarbeitenden Grete Ring und Walter Feichenfeld bis die Nationalsozialisten das Verunmöglichten und der Kunstsalon liquidiert wurde bis die Art.

00:17:06: von hier bis in den letzten Jahren und dann in London und Amsterdam weitergearbeitet wurden.

00:17:11: Heute befindet sich das Paul-Kassierer- und Walter-Feichenfeld-Archiv in Zürich, und wird geleitet von Walter Feichenfeld Junior und Christina Feichenfelt und kümmert sich um die Archivbestände, die den Krieg überdauert haben und machen es zugänglich für die Forschung.

00:17:34: Es gibt ja das sei vielleicht noch erwähnt ganz, ganz wesentliche Forschungsarbeiten ohne die eine Ausstellung zu Paul Kassierer überhaupt nicht möglich gewesen wären.

00:17:47: Und da ist an ganz zentraler Stelle zu nennen das umfängliche Werk von Walter Feichenfeldt und Bernhard Echte die anhand von Zeitungsrezensionen derzeit rekonstruiert haben, welche Ausstellungen wie bestückt waren in welchem Rhythmus diese Stadt gefunden haben.

00:18:09: Weil eben das umfängliche Archiv den Krieg nicht in diesem Umfang überdauert hat und man also auf Sekundärquellen sozusagen angewiesen war.

00:18:18: Das ist eine über ein Jahrzehnt während der Arbeit.

00:18:21: Die Bernhard Echte im Augenblick auch noch fortsetzt Und wir können uns sehr glücklich schätzen, dass Bernhard Echte uns zur Seite gestanden hat und er uns ein Sparrowingspartner und Gesprächspartner gewesen ist.

00:18:34: Gerade auch dem kuratorischen Team Josefine Klinger als Kuratorin und Franziska Lietzmann als Kuratoren- und Projektleiterin.

00:18:42: das war einfach extrem wichtig um eine Ausstellung zu machen die einerseits wunderbare Werke zeigt Aber andererseits auch das unsichtbare Band ja zeigen möchte, was all diese Werke bis heute zusammenhält.

00:19:00: Sie sind alle einmal sozusagen durch die Hände Kassiras gegangen und das ist wirklich schier unglaublich!

00:19:08: Es waren ja mehrere Zehntausend Werke.

00:19:12: Möchtest du vielleicht ein paar hervorheben oder auch noch mal generell schildern, was den Besucher die Besucherin in der Ausstellung erwartet?

00:19:19: Werke hervorzuheben ist natürlich immer schwierig.

00:19:22: Ich glaube das war es ganz Zentrales zu verstehen welche Rolle der Impressionismus für den Kunstsalon gespielt hat und da zeigen wir einfach unter anderem eben die erwähnte Liese so etwas wie die Mona Lisa des Museum Volkwank und abgesehen von Werken, von Renoir, von Van Gogh, von Cézanne, Moni, Manni zeigen wir aber auch inwieweit dieser Impressionismus der so wichtig war.

00:19:52: Und lieber man!

00:19:54: Inwieweit der Impressionismus einerseits wichtig war tatsächlich zu zeigen für Paul Kassierer?

00:20:00: Aber wie wesentlich er auch war als eine Art Kontrastfolie.

00:20:05: Er war so etwas wie der Kern dessen was Kassira enorm begeistert hat, also Impressionismus und auch Post-Impressionismus.

00:20:14: Wenn man eben von Künstlern wie Cézanne spricht.

00:20:18: Und auf der anderen Seite zu zeigen dass er das auch häufig genug kontrastiert hat beziehungsweise dass ja auch in seiner Galerietätigkeit nicht stehen geblieben ist denn er hat sich dann ja auch sehr dezidiert den jungen Avongaben zu gewendet und künstleren wie Balach oder Kirchner Der Ausstellung, es ist auch ein Teil der Ausstellung wie Cassira Markenbildung betrieben hat.

00:20:43: Denn er hatte wunderbare Einladungen und Plakate zu den Ausstellungen.

00:20:50: also er war eben ein umfänglicher Kommunikator.

00:20:53: wir zeichnen auch nach die architektonische Entwicklung der Galerie denn er hat ja in der Victoria Straße immer weiter angebaut und sehr moderne Oberlichtsäle geschaffen und auch auf eine andere Art und Weise gehängt, als das bis dato üblich war.

00:21:09: Es werden vielleicht einige die Kamiklodell- und Bernhard-Hödker Ausstellung bei uns gesehen haben – das ist sozusagen das andere Ende!

00:21:15: Bei Kami Klodell und Bernhard Höttger ist nochmal wiederbelebt worden, wie in der alten Nationalgalerie.

00:21:22: Und in vielen Galerien ein Kunsthandel der Zeit kunstpräsentiert wurde nämlich mit so einer Idee des damals Großbürgerlichen mit Zimmerpflanzen Tapisrin mit Draperin, also eine Atmosphäre die ganz stark von Textil und Pflanze geprägt war.

00:21:44: Kassira hat keine enge Petersburger Hängung, dieses übereinandergestaffelte Hängen propagiert sondern er hat eher streng und eher sparsamer gehängt und hat der Kunst großen Raum gegeben zum Teil auch scharf Kontrastierenden gegenüberstellen.

00:22:08: Er hat z.B.

00:22:09: mal Alfred Kubin und Van Gogh in einer Ausstellung gezeigt, darauf würde man vielleicht nicht unbedingt kommen.

00:22:15: Und es war natürlich klar das sind zwei Entitäten.

00:22:18: aber in diesem angeregten dynamischen Sehen so war eventuell seine Hoffnung konnte sich das was vielleicht aufs erste schwieriger zu erkennen war als gute Kunst dann doch im wiederholten Sehen Publikum etablieren und das ist natürlich ein hochgradig Komplexes, aber auch sehr vertrauensbildendes Vorgehen.

00:22:45: Im Grunde hat er seinem Publikuum vertraut dass es schon irgendwann verstehen würde warum er diese Kunst für wesentlich hält und sein Erfolg und die Werke die durch seinen Handel ging geben ihm hundert Jahre nach seinem Tod einmal mehr Recht.

00:23:04: Sehr schön!

00:23:05: Lieber Annette, jetzt sind wir ja auch schon bei unseren letzten beiden Fragen.

00:23:09: Die erste wird dir noch schwerer fallen als den Gästen sonst in unserem Podcast nämlich.

00:23:13: Welcher ist dein Lieblingsmuseum?

00:23:16: Es gibt viele Museen die alle Zuhörende kennen und die muss ich nicht erwähnen.

00:23:21: Sehr interessant ist das Sir John Stone Museum in London.

00:23:26: Auch das ist wert gesehen zu werden im Grunde eine kleine Wunderkammer in sich selbst.

00:23:35: Und jetzt zu guter Letzt Annette, ich schenke dir ein Kunstwerk.

00:23:38: du kannst dir jedes aussuchen was es auf dieser Welt gibt.

00:23:41: welches nimmst

00:23:42: du?

00:23:43: Ich glaube ich würde mir keines aus den großen Häusern nehmen und auch nicht aus dem kleinen.

00:23:48: das ist vielleicht so eine Grundhaltung als Museumsdirektorin dass Kunst möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte.

00:23:56: tatsächlich gibt es einen Werk das würde ich jetzt gar nicht beschreiben bei einem Rundgang durch offene Künstler-Atheis gesehen.

00:24:09: Und das ist mir bis heute im Gedächtnis, dass wäre vielleicht eines der wenigen Werke.

00:24:13: wenn es mir nochmal noch mal vor die Füße fällt da würde ich sagen jetzt darf's auch nach Hause!

00:24:19: Du verrätst uns aber nicht von wem?

00:24:21: Nein!

00:24:23: Das kann ja jetzt alles

00:24:26: sein!

00:24:28: Aber es gäbe die Chance, dass du es nochmal siehst,

00:24:30: ja?!

00:24:31: Das wär ein großer Zufall glaube

00:24:34: Geheim!

00:24:37: Lieber Annette, ich danke dir sehr für dieses schöne Gespräch.

00:24:39: Danke an

00:24:40: dich, Rebecca.

00:24:43: Das war Folge hundred und dreißig von Die Sucht zu sehen.

00:24:46: Wir danken fürs Zuhören, freuen uns schon wieder auf unsere nächsten Gäste und natürlich auf Sie in zwei Wochen neu auf gesebacht.com und überall wo es Podcasts gibt.

Über diesen Podcast

Grisebach fühlt sich neben dem klassischen Kunsthandel mit Bildern stets auch dem Auftrag verpflichtet, Kultur zu vermitteln und Diskurse zu fördern. Es dreht sich hier nicht ausschließlich um die Kunst an sich, sondern immer auch um die Geschichten dahinter.

Und genau damit befasst sich der neue Grisebach Podcast.

Wir sprechen mit berühmten Malerinnen, Musikern und Autorinnen - und allen anderen, die etwas in oder über die Kunst zu sagen haben.

Es wird um die Bilder gehen, die unsere Leben prägen. Die uns inspirieren oder verfolgen. Die uns glücklich machen können oder andächtig. Solche, die im Museum hängen. Solche, die vor unserem geistigen Auge entstanden sind. Erinnerungen, Gemälde, Skizzen, Schnappschüsse, Plattencover, Gifs,– Hauptsache, sie haben uns anders auf die Welt sehen lassen.

Credits
Redaktion und Moderation: Rebecca Casati
Schnitt: Juliane Fritz
Titelmelodie: Dagobert
Cover: Selina Pavel

von und mit Rebecca Casati

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